Sich nicht an Gott vergreifen

„Als ich zehn Jahre alt war,“ so schrieb der evangelische Theologe Helmut Thielicke, „hatten wir in unserer Klasse einen Jungen, den wir gar nicht leiden mochten. Er war ein Streber, ein Angeber und Versager bei unseren heftigen Prügeleien. Eines Tages hatten wir – grausam und bedenkenlos, wie Kinder sind – beschlossen, ihm zu seiner Abhärtung eine Tracht Klassenhiebe zu verpassen. Als wir an dem betreffenden Morgen vor dem Schultor auf Einlass warteten, sahen wir, wie der Vater mit dem Jungen kam.

Beide hatten an diesem Morgen offenbar den gleichen Weg. Der Vater war einer der angesehensten Männer meiner Heimatstadt, und auch wir Jungen hatten grossen Respekt vor ihm. Vor dem Schultor verabschiedeten sich beide voneinander. Der Vater streichelte die Wange des Jungen, strich ihm liebevoll über die Haare, sagte ihm gute Worte und drehte sich dann winkend noch mehrmals nach dem Jungen um. Bei uns, die wir das beobachteten, trat eine eigentümliche Wirkung ein. Die geplanten Klassenhiebe unterblieben. Sicher nicht aus Angst vor dem Vater. Aber uns überkam eine merkwürdige Scheu, die uns bremste. Der Junge wurde von diesem Vater so geliebt. Da konnten wir uns nicht an ihm vergreifen.

Damals habe ich zum ersten Mal die Macht der Liebe erkannt und geahnt, was Gott mit dem Gebot der Liebe gemeint hat. Der letzte Grund dafür, dass wir unsere Mitmenschen lieben sollen, dass wir uns nicht an ihnen vergreifen, sie hindern oder ausnützen dürfen, ist, dass Gott sie liebt. Die Liebe Gottes zu den Menschen macht sie für unseren Hass unantastbar. Man würde sich an Gott selbst vergreifen, wollte man seinen Menschen schaden. Wir sind von Gott geliebt. Darum sind wir unantastbar. Von Gott Geliebte stehen auch unter seinem Schutz.“

Quelle: Axel Kühner, Überlebensgeschichten für jeden Tag, Aussaat Verlag

Wundertaten – eine Antwort Gottes auf den Unglauben

Eine Gruppe ostdeutscher, lutherischer Theologen hat 1971 ein Manifest veröffentlicht, das Zeilen einer ergreifenden Ehrlichkeit beinhaltet. Es heißt hier unter anderem:

„In Lourdes, Fatima und anderen Marienheiligtümern, stehen unparteiische Überprüfer übernatürlichen Tatsachen gegenüber, die eine innige Beziehung zur Hl. Jungfrau Maria besitzen, sei es auf Grund von Erscheinungen oder auf Grund wunderbarer Gnaden, die von ihr erbeten und durch ihre Fürsprache erhalten wurden. Es sind dies Tatsachen, die jeder natürlichen Erklärung Trotz bieten. Bis heute wurden 1.200 in Lourdes stattgefundene Heilungen, von Ärzten als wissenschaftlich unerklärbar anerkannt. Die Katholische Kirche hat davon aber nur 44 als Wunder erklärt. Dreißig Jahre lang haben 11.000 Ärzte aller Religionen und wissenschaftlichen Meinungen, freien Zugang zum Büro der medizinischen Befunde gehabt. Eine als Wunder anerkannte Heilung besitzt aus diesem Grund die größtmöglichste Gewähr.

Welchen tiefen Sinn im Plan Gottes haben diese Wundertaten? Es scheint, als wolle Gott dadurch, auf radikale Weise, auf die moderne Ungläubigkeit antworten. Wie kann ein Ungläubiger, angesichts dieser Tatsachen, im guten Glauben auf seiner Ungläubigkeit beharren? Müssten diese Tatsachen uns nicht dazu führen, die Mutter Gottes in die Evangelische Kirche zurückzubringen? Sind sie nicht ein unwiderlegbarer Beweis für die Rolle, die Maria heute, zu unserem Heil, zugeteilt ist?“

Herr, du weißt, dass ich dich liebe

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag (Mt 28,5-6).

Im Evangelium von 3. Sonntag der Osterzeit hören wir von der Begegnung des auferstandenen Herrn mit Petrus. Jesus stellt Petrus dreimal die Frage: „Liebst du mich?“; er gibt dreimal die Antwort: „Du weißt, dass ich dich liebe“; und dreimal gibt ihm Jesus den Auftrag: „Weide meine Schafe!“. Mit diesen Worten überträgt Jesus dem Petrus die Aufgabe des höchsten und universalen Hirtenamtes für die Kirche, das er ihm schon früher versprochen hatte: „Du bist Petrus und auf diesen Felsen werde ich meine Kirche bauen. Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben“ (Mt 16,18-19).

Was am meisten in diesem Abschnitt des Evangeliums berührt, ist, dass Jesus dem Versprechen, das er Petrus gegeben hat, treu bleibt, obwohl Petrus dem Versprechen, das er Jesus gegeben hatte, ihn nie zu verraten, untreu gewesen ist.

Gott gibt den Menschen, wenn sie umkehren, immer wieder neue Möglichkeiten. Er streicht die Menschen nicht nach ihrem ersten Fehler aus seinem Buch.

Und was bewirkt diese Barmherzigkeit Gottes? Das Vertrauen und die Vergebung des Meisters haben aus Petrus einen neuen, starken, bis zum Tod treuen Menschen gemacht. Er hat die Herde Christi in den schwierigen Momenten ihrer Anfänge geweidet, als es notwendig war, aus Galiläa hinauszugehen auf die Straßen der Welt. Petrus war durch dieses Vertrauen Jesu dann auch fähig, endlich sein Versprechen einzuhalten, das Leben für Christus hinzugeben.

Das Gespräch zwischen Jesus und Petrus ist auf das Leben eines jeden von uns zu übertragen. Der heilige Augustinus sagt in seinem Kommentar zu diesem Abschnitt des Evangeliums: „Indem er Petrus fragte, fragte Jesus einen jeden von uns.“

Die Frage: „Liebst du mich?“ ist an jeden Jünger gerichtet. Das Christentum ist keine Ansammlung von Lehren und Praktiken; es ist etwas viel Innigeres und Tieferes: eine Freundschaftsbeziehung mit der Person Jesu Christi.

Oft hat Jesus die Menschen zu Lebzeiten gefragt: „Glaubst du?“, nie aber: „Liebst du mich?“. Er tut es nur jetzt, nachdem er in seinem Leiden und Sterben den Beweis erbracht hat, wie sehr er uns liebt.

Jesus will, dass die Liebe zu ihm im Dienst an den anderen besteht: „Liebst du mich? Weide meine Schafe.“ Nicht er will die Früchte dieser Liebe erhalten, sondern er will, dass diese Liebe zu ihm seinen Schafen zugute kommt. Es ist, als sagte er dem Petrus: „Ich betrachte das, was du für meine Herde tust, als tätest du es für mich“.

Auch unsere Liebe zu Christus darf keine rein innerliche oder sentimentale Angelegenheit bleiben, sondern sie muss im Dienst an den anderen zum Ausdruck kommen, im Tun des Guten am Nächsten. Mutter Teresa von Kalkutta sagte oft: „Die Frucht der Liebe ist der Dienst, und die Frucht des Dienstes ist der Friede.“

Quelle: Vgl. Zenit, Predigt v. R. Cantalamessa

Hl. Josef – Nothelfer in allen Bereichen

Der sel. Papst Johannes XXIII. hat den hl. Josef, dessen Fest wir am 19. März feiern, sehr verehrt. Er schrieb einmal:

„Als man mich ohne all mein Verdienst zum Papst wählte, mich, den Sohn eines armen Pächters, dachte ich daran, mich Josef zu nennen. Glaubt mir, ich hätte es gern getan, aber dieser Name ist für einen Papst nicht üblich, darum musste ich darauf verzichten. Umso glücklicher bin ich, dass Josef einer meiner Vornamen ist, und ich bin sicher, dass der Nährvater Jesu nicht nur mir an seinem Ehrentag Gottes Segen er­flehen wird, sondern allen, die auf seinen Namen getauft sind.“

Auch die hl. Theresa von Avila war eine große Verehrerin des hl. Josef. Sie sagt über ihn: „Anderen Heiligen scheint der Herr die Gnade gegeben zu haben, nur in bestimmten Anliegen helfen zu können. Diesen glorreichen Heiligen habe ich aber in allen Bereichen als Nothelfer kennen gelernt.“

Heiliger Josef, bitte für uns!

Ich möchte Priester werden – das stand für mich fest

Priesterwerden und Priestersein ist eine Berufung, die Gott schenkt und die wir von ihm erbitten müssen. Wie im Gleichnis vom Gutsherrn, der Arbeiter für seinen Weinberg sucht, kann dieser Ruf des Herrn zu verschiedenen Stunden ergehen.

Am 22. Dez. 2012 feierte Kardinal Joachim Meisner seinen  50. Priesterweihetag. In einem Interview mit der Kölner Kirchenzeitung erzählte er auch über seine Berufung zum Priestertum, die er schon in der „ersten Stunde“ erfahren hat.

Er sagt: „Ich kann mich nicht erinnern, dass ich je etwas anderes hätte werden wollen. Schon als kleines Kind bin ich sehr gerne mit zum Gottesdienst gegangen. Der Höhepunkt im Jahr war für mich immer die Fronleichnamsprozession. Das habe ich immer wie ein Stück Himmel auf Erden erlebt.“ Bei einer außergewöhnlichen Gelegenheit offenbarte er diesen Wunsch seinen Eltern: „Ich kann noch heute in Breslau die Stelle zeigen, wo ich mit fünf oder sechs Jahren, also 1938 oder 1939, meinen Eltern gesagt habe, dass ich Priester werden möchte. Es war an einem warmen Juniabend. Ich ging mit Vater, Mutter und meinen Geschwistern spazieren. Plötzlich zog eine Sternschnuppe über den Himmel. Vater sagte: Was ihr euch jetzt wünscht, das geht in Erfüllung. Kurz darauf wiederholte sich das himmlische Schauspiel, und Mutter fragte: ‚Habt ihr euch etwas gewünscht?‘ ‚Ja‘, antwortete ich. ‚Willst du uns das sagen?‘ ‚Ich möchte Priester werden.‘ Das stand für mich fest.“

Eine so junge Berufung braucht aber auch einen guten Nährboden, auf dem sie wachsen und reifen kann. Das ist für gewöhnlich die christliche Familie. Kardinal Meisner schildert, was er in seiner Familie erfahren hat:

„Geprägt hat mich natürlich auch das religiöse Leben in meiner Familie. Ein Beispiel: Der Vater ging alle vier Wochen zur heiligen Kommunion. Dazu gehörte natürlich vorher die Beichte. Am Samstagabend hat die Mutter uns Jungs immer hinausgeschickt mit den Worten ‚Der Vater bereitet sich auf die heilige Beichte vor. Geht hinaus, damit er Ruhe dabei hat!‘. Wenn der Kommunionsonntag kam, ging der Vater mit Frack und Zylinder zur Kirche. Und wir Jungs waren dann immer stolz auf unseren Vater, dem wir mit stolzgeschwellter Brust hinterhergegangen sind. Eines Tages haben wir den Vater gefragt, ob er nicht jeden Sonntag mit der Mutter zur Kommunion gehen könnte. Mein Vater hat mich groß angeschaut und gefragt ‚Warum denn das?‘. ‚Ja‘, haben wir geantwortet, ‚wenn ihr von der Kommunion kommt, seid ihr immer so lieb zu uns Kindern!'“

 

Hl. Anna Schäffer – Christus ist die Sonne meines Lebens

Am 21. Okt. 2012 wurde Anna Schäffer von Papst Benedikt XVI. heiliggesprochen und damit der ganzen Kirche als Vorbild und Fürsprecherin geschenkt.

Anna Schäffer aus Mindelstetten bei Regensburg wollte als Jugendliche in einen Missionsorden eintreten. Bei ihrer Erstkommunion schenkte sie Jesus ihr Leben. Da sie aus einfachen Verhältnissen stammte, versuchte sie die nötige Aussteuer für die Aufnahme ins Kloster als Dienstmagd zu verdienen. In dieser Stellung erlitt sie mit 18 Jahren einen schweren Unfall mit unheilbaren Verbrennungen an den Beinen. Für ihr ganzes weiteres leben war sie an das Bett gefesselt und hatte unsägliche Schmerzen zu ertragen. Die Ärzte haben 30 Operationen mit Hautverpflanzungen an ihr vorgenommen; zum Teil versagt die Narkose. Die Wunden heilten nicht mehr bis zu ihrem Tod nach 25 Jahren Bettlägerigkeit. Zu dem schweren Siechtum gesellte sich auch bittere Armut. Sie haderte zunächst mit ihrem Schicksal, verstand ihre Situation dann aber als einen liebevollen Ruf des Gekreuzigten in seine Nachfolge. Sie faßte den Entschluss, ihr Leben und Leiden Gott als Sühneopfer darzubringen und entwickelte einen erstaunlichen Gebets-, Buß- und Sühneeifer. Der Ortspfarrer Karl Rieger war ihr ein guter Seelenführer und brachte ihr täglich die hl. Kommunion. Selbstverständlich leistete er ihr, wie auch andere im Dorf, materielle Hilfe.

So wurde ihr das Krankenlager zur Klosterzelle und das Leiden zum Missionsdienst. Gestärkt durch die tägliche Kommunion wurde sie zu einer unermüdlichen Fürsprecherin im Gebet und zu einem Spiegel der Liebe Gottes für viele Ratsuchende. „Ihr Apostolat des Betens und des Leidens, des Opferns und des Sühnens sei den Gläubigen in ihrer Heimat ein leuchtendes Vorbild,“ sagte Papst Benedikt XVI. bei der Heiligsprechung.

Anna Schäffer hat Sühne als christliche Pflicht empfunden und folgendes Gebet hinterlassen: „Heiligstes Herz Jesu, schenk mir recht viele Seelen, die sich vor Verzweiflung kaum mehr helfen können“. Sie betet für jene, die der Gnade am meisten bedürfen. Zu Maria, der Schmerzensmutter, gewandt, spricht sie: „Verleihe uns stets einen brennenden Durst, am Heil der unsterblichen Seelen zu arbeiten, für sie zu beten und zu leiden!“ Die heilige Anna Schäffer ist aber vor allem Wegweiserin zum Sakrament der Eucharistie. Aus der Kraft dieser göttlichen Speise ertrug sie ihr schweres Schicksal gläubig und gottergeben wie sie in ihrem letzten Brief bekennt: „Meine größte Stärke ist die heilige Kommunion“.

 

Gefährliche Klippen

Viele Menschen verlassen sich in Fragen des ewigen Heiles auf ihre eigenen Meinungen, Erfahrungen und Gefühle. Sie sind der Auffassung, dass sowieso alle in den Himmel kommen. Gott ist gut, und sie werden böse, wenn man von der Hölle redet. Aber in Fragen des Heiles dürfen wir uns nicht auf gute Gefühle verlassen, sondern müssen uns an den Worten Jesu im Glauben orientieren. Er ist der Sieger über den Tod und hat uns gezeigt, wo die gefährlichen Klippen sind, an denen wir mit unserem Lebensschifflein zerschellen und untergehen können. Wenn wir nicht auf ihn hören, könnte es uns im Blick auf unser Heil so ergehen, wie es einem alten englischen Kapitän mit seinem Schiff zu Beginn des 19. Jahrhunderts ergangen ist.

Er erhielt den Auftrag, Nachforschungen anzustellen, ob an einer bestimmten Stelle im Mittelmeer tatsächlich, wie man vermutete, ein gefährliches, verborgenes Riff sei. Der Kapitän segelte ganz nahe an die bezeichnete Stelle, fand aber nichts und erklärte die Annahme als Irrtum. Einer seiner Offiziere glaubte nicht recht an diesen Befund. Er wurde bald darauf erster Offizier auf einem anderen Schiff und fand Gelegenheit, noch einmal an die fragliche Stelle zu segeln. Wirklich fand er ein Riff und meldete seine Entdeckung dem Seeamt in London. Die Stelle wurde auf der Karte eingezeichnet. Sein ehemaliger Kapitän war darüber sehr erbost. Jetzt stehe er als Lügner da, aber er wolle es dem Grünschnabel zeigen. Bald darauf fuhr er wiederum zu der als gefährlich bezeichneten Stelle. Schon glaubte er darüber weg zu sein und schimpfte höhnisch auf den jungen Offizier. Da gab es auf einmal einen furchtbaren Krach, das Schiff saß fest, und schon begann es zu sinken. Die Mannschaft konnte sich noch retten, der Kapitän aber, der wie wahnsinnig auf Deck herumlief, versank mit seinem Schiff in den Fluten.

Gemeinsam auf dem Weg, das Leben neu aufzubauen

Die aus Italien stammende Schwester Elvira Petrozzi hat 1983 die Gemeinschaft „Cenacolo“ gegründet. Sie hat gesehen, dass in unserer Gesellschaft immer mehr junge Menschen den Drogen und dem Alkohol verfallen und wollte es nicht hinnehmen, dass es für sie keine wirkliche Hilfe gab. „Der Ruf Gottes lässt dich Werke vollbringen und an Dinge glauben, die du selbst nie gedacht noch dir vorgestellt hättest,“ sagt sie über ihren Weg.

Am 16. Juli 1983 eröffnete sie, unter einfachsten Bedingungen, das erste Haus in Saluzzo, etwa 60 km südlich von Turin. Inzwischen sind es 60 Niederlassungen in verschiedensten Ländern geworden, in denen jungen Menschen mit Drogenproblemen geholfen wird, wieder neue Perspektiven für ihr Leben zu finden. Dies geschieht unter anderem durch das Vertrauen in die heilende Kraft des Evangeliums, den Weg in die christliche Gemeinschaft, das Gebet und die Arbeit. Mit dem Namen „Cenacolo“, den Mutter Elvira der Gemeinschaft gab, meint sie den Abendmahlssaal als einen Ort, „wo die Apostel sich in sich verkrochen und Angst hatten nach Jesu Tod – genauso geht es den Drogenabhängigen heute: sie sind schüchtern, ängstlich und stumm. Doch dann kommt mit Maria der Heilige Geist, der sie in mutige Zeugen verwandelt.“

Von welcher Kraft des Glaubens und der Liebe Mutter Elvira immer beseelt war, um den junge Leuten zu helfen, wirklich ein neues Leben zu beginnen, das zeigt eine Begebenheit aus der Anfangszeit. Es war der Tag, an dem sie verstanden hatte, dass sie auch die Zigaretten abschaffen müsse. Sie berichtet:

„Es waren inzwischen ein paar Jahre vergangen, und ich war an dem Punkt angelangt, an dem mir dieser Gedanke gekommen ist: ‚Ich bin diesen jungen Leuten nicht treu! Sie wollen sich von den Drogen befreien, und ich lasse sie mit Tabak in der Tasche rumlaufen.‘ Da spürte ich dieses ‚Treiben‘ in mir, und ich konnte nicht mehr widerstehen. Also habe ich mich eines Abends, als wir in der Kapelle waren, vor sie hingekniet und ihnen gesagt: ‚Jungs, ich möchte euch um Verzeihung bitten: Ihr seid hierhergekommen, um von den Drogen befreit zu werden. Und ich hatte Angst, dass ihr weggehen würdet, und habe euch das Rauchen erlaubt. Doch ab heute Abend wird in der Gemeinschaft nicht mehr geraucht! Dann habe ich ‚den Schlimmsten‘ zu mir gerufen, der immer um jeden Preis seine Zigaretten haben wollte und schon alles Mögliche angestellt hatte. Ihm habe ich gesagt: ‚Hole bitte eine Plastiktüte.‘ Alle Jungs saßen da, und er ging durch die Runde und jeder warf die Zigaretten, die er in der Tasche stecken hatte, in die Tüte. Dann habe ich gesagt: ‚Wenn jemand von euch gehen will und das zu Recht, der klopfe im Büro an und wir geben ihm genug Geld, um nach Hause zu kommen. Wenn er dann akzeptiert hat, dass hier nicht mehr geraucht wird, kann er jederzeit zurückkommen, ohne vorher ein Gespräch führen zu müssen.‘ Nun, wir haben ein großes Feuer gemacht, doch keiner hat sich vom Fleck gerührt, und niemand ist weggegangen. Alle haben diese Regel sofort akzeptiert! Da sieht man wieder meine Ängste! Denn auch ich habe in diesem Moment gelitten, denn ich wusste, dass sie an ‚dieser Kippe‘ hingen. Da habe ich verstanden, dass es nicht stimmt, dass die jungen Leute faul, ängstlich und gleichgültig sind! All das stimmt nicht! Sie sind fähig zu kämpfen, bereit zu leiden und Opfer zu bringen! Die jungen Leute sind die schönste ‚Klasse‘ der Welt, mit denen es mir wahrhaftig gut geht. Ich kann aus Erfahrung sprechen, denn ich habe mir die Hände und das Gesicht, das Leben und den Ruf mit ihren Problemen ‚beschmutzt‘, und nun kann ich über sie mit Unbefangenheit und Aufrichtigkeit sprechen. Sie wissen, dass mich nicht die Drogen interessieren, sondern das Leben! Heute spreche ich darüber, weil sie meine Lehrer waren und ich weiter von ihnen lernen möchte.“

Quelle: http://www.cenacolo.info

Mein neues Leben

In Kleinfrauenhaid in Burgenland befindet sich ein Niederlassung der Gemeinschaft Cenacolo. Ein junger Mann berichtet, wie er dort ein neues Leben beginnen konnte:

Mein Name ist Johannes, ich bin 35 Jahre alt, seit 2005 glücklich verheiratet mit meiner Frau Cristiana. Wir haben drei wundervolle, lebendige Kinder,  für die ich Gott danke. Mein neues Leben begann 1999 in Kleinfrauenhaid, nachdem ich zuvor sieben Jahre lang alle möglichen Drogen konsumiert hatte und in einen Kreislauf von Abhängigkeit, Lügen, Stehlen und Einsamkeit geraten war. Als die Situation zu Hause unerträglich wurde, hat Gott meinen Eltern den Mut gegeben, mich vor die Wahl zu stellen: entweder in den Cenacolo einzutreten oder die Familie zu verlassen. Die Entschlossenheit meiner Eltern war der erste Schritt zu meiner Rettung. Die ersten Monate in der Gemeinschaft waren sehr schwer für mich. Auf die gewohnten Dinge des Alltags zu verzichten, war unvorstellbar. Doch schon nach kurzer Zeit hat Gott mir die Augen geöffnet und ich war in der Lage, seine Liebe zu mir zu erkennen. Das wiedergefundene Gebet, mein Schutzengel (Begleiter in der Gemeinschaft) und die Offenheit der Brüder haben mir geholfen, mich zu öffnen und den Ballast meines Lebens in Gottes Hände zu legen. So wurde es mir möglich, meine Eltern und Geschwister um Verzeihung zu bitten und eine tiefe Versöhnung in der Familie zu erfahren. … Ich werde diese Erfahrungen mein Leben lang wie einen Schatz bewahren.

Quelle: http://www.cenacolo.info

Unter dem Schutz der Gottsmutter Maria

Vom Gründer der Gemeinschaft der „Marianisten“ P. Josef Chaminade, einem großen Marienverehrer, wird berichtet, dass er während der französischen Revolution in Paris von der Polizei verfolgt wurde, weil er wegen seiner Glaubenstreue den Eid auf die Verfassung nicht abgelegt hatte.

Eines Tages wurde er auf der Straße von der Revolutionspolizei erkannt und sie wollten ihn festnehmen. Aber er lief davon. Als er auf seiner Flucht an einem Haus vorbeikam, in dem Freunde wohnten, ging er hinein und mischte sich unter die Familie, die um den Kamin versammelt war. Der Priester setzte sich neben ein kleines Kind und nahm am Familiengespräch teil. Die Polizisten stürmen herein, und durchsuchten alles, konnten ihn aber nicht finden, obwohl er mitten unter den Leuten saß. Sobald die Polizei weg war, fragte man sich, warum die Polizei Pater Chaminade nicht gesehen hatte. Da sagte das kleine Kind, das neben Pater Chaminade gesessen war: „Sie konnten den Herrn Pater doch nicht sehen, denn die schöne, in Weiß gekleidete Dame, die gleichzeitig mit ihnen hereingekommen ist, stand immer vor ihm, um ihn zu verstecken.“ Durch die fürsorgliche Obhut der Gottesmutter Maria konnte Pater Chaminade mehrmals dem Tod entkommen.

Gerade in unserer Zeit brauchen wir diesen Schutz der Mariens. Die Angriffe des Bösen sind so vielfältig. Weihen wir uns immer neu ihrem unbefleckten Herzen.