Missionarische Liebe, die die Herzen trifft

Beim Weltjugendtag in Köln waren indonesische Mädchen in Düsseldorf im Rotlichtviertel untergebracht. Wenn sie abends von den gottesdienstlichen Begegnungen zurückkehrten, kamen sie immer an einer Prostituierten vorbei, der sie begeistert von ihren Erlebnissen bei diesem internationalen Christentreffen erzählten. Am letzten Tag aber fingen die Mädchen plötzlich hemmungslos zu weinen an. Die Prostituierte fragte, was denn los sei und da sagten sie, sie seien so traurig, dass sie, die Prostituierte, diese Freude des christlichen Glaubens nicht erleben könne.

Wir wissen diese Geschichte nicht von den Indonesierinnen, die waren in ihre ferne Heimat zurückgekehrt, wir wissen sie von der Prostituierten, die wenig später bei einem Priester anrief und fragte, wie man Christin werden könne. Es sei das erste Mal in ihrem Leben gewesen, dass Menschen ihretwegen geweint hätten.

Quelle: Manfred Lütz, Frohe Weihnachten, Ihr Atheisten, DT vom 22.12.2007

Not lehrt beten – das Beten aber lehrt uns hoffen

„In diesen Tagen unaussprechlicher Prüfungen bat ich Maria in aller Einfachheit und mit Vertrauen: ‚Mutter, wenn du siehst, daß ich deiner Kirche nicht mehr nützlich bin, gewähre mir die Gnade, daß sich mein Leben im Gefängnis verzehrt. Aber wenn du weißt, daß ich deiner Kirche noch nützlich sein kann, gewähre mir, daß ich an einem deiner Feste aus dem Gefängnis entlassen werde.‘“ Es war das Fest der Darstellung Mariens im Tempel, am 21.11. 1988, an dem er entlassen wurde.

Der Heilige Vater hat am 30. November 2007 eine neue Enzyklika veröffentlicht, und zwar zum Thema „Hoffnung auf Heil“. Diesem Thema wird auch die Predigtreihe bei den Fastengottesdiensten in der Kapuzinerkirche gewidmet sein.

Mit dieser Enzyklika will der Heilige Vater den Menschen den Weg zu jener unzerstörbaren Hoffnung zeigen, die uns im Glauben an Jesus Christus geschenkt ist. Auch wenn die Menschen heute mit ihrer Hoffnung auf die Dinge dieser Welt glücklich zu sein scheinen, so zeigt sich doch, dass sie ohne die Hoffnung auf Gott und auf das ewige Leben letztlich in Resignation, Verzweiflung und Depression enden.
Am Beispiel und an den Aussagen einer Reihe von Heiligen und Glaubenszeugen zeigt der Heilige Vater auf, wie christliche Hoffnung geübt und gelebt werden kann. Als besondern Zeugen für die Hoffnung aus dem Gebet stellt er uns den 2002 verstorbenen Kardinal Van Thuan vor Augen, der 18 Jahre in den Gefängnissen der Kommunisten verbracht hatte.

In der Enzyklika heißt es:
„Ein erster wesentlicher Lernort der Hoffnung ist das Gebet. Wenn niemand mehr mir zuhört, hört Gott mir immer noch zu. Wenn ich zu niemand mehr reden, niemanden mehr anrufen kann – zu Gott kann ich immer reden. Wenn niemand mehr mir helfen kann – wo es sich um eine Not oder eine Erwartung handelt, die menschliches Hoffenkönnen überschreitet –: Er kann mir helfen. Wenn ich in eine letzte Einsamkeit verstoßen bin: Der Betende ist nie ganz allein.

Aus dreizehn Gefängnisjahren, davon neun in der Isolierhaft verbracht, hat uns der unvergeßliche Kardinal Nguyen Van Thuan ein kostbares kleines Buch hinterlassen: Gebete der Hoffnung. Dreizehn Jahre in Haft, in einer Situation scheinbar totaler Hoffnungslosigkeit, ist ihm das Zuhören Gottes, das Redenkönnen mit ihm zu einer wachsenden Kraft der Hoffnung geworden, die ihn nach seiner Freilassung beflügelt hat, den Menschen in aller Welt Zeuge der Hoffnung zu werden – der großen Hoffnung die auch in den Nächten der Einsamkeit nicht untergeht.“

Der hl Paulus sagt: „Die Hoffnung läßt nicht zugrunde gehen. (Röm 4,5)

Nennolina – Jesus, komm bald in mein Herz, damit ich Dich küssen kann

Ein italienisches Mädchen, das mit 6 Jahren an Knochenkrebs starb und ihre Leiden und ihr Leben ganz Gott aufopferte, könnte als jüngste Heilige in die Kirchengeschichte eingehen, ohne eine Blutzeugin zu sein. Papst Benedikt XVI. unterzeichnete am Montag, 17.12.2007 das Dekret, in dem bestätigt wird, dass Antonietta Meo ein heroisches Tugendleben geführt hat.

Nennolina, wie sie mit ihrem Kosenamen hieß, wurde am 15. Dezember 1930 in Rom als vierte Tochter von Maria und Michele Meo geboren. Man beschrieb sie als „hellwach“, und schon als Vierjährige war sie Mitglied der Kindergruppe der Katholischen Aktion. Sie war ein lebhaftes Kind und schon mit drei, vier Jahren von einer innigen Liebe zu Jesus erfüllt, mit dem sie immer wieder in ihren Gebeten sprach.
Nach Angaben der Mutter fügte sie eines Tages zu ihren Lieblingsgebeten folgenden Satz hinzu: „Jesus, tu mir den Gefallen, lass mich sterben, bevor ich eine Todsünde begehe.“

Mit 5 Jahren erkrankte sie an Knochenkrebs. Als ihr am 25. April 1936 das linke Bein amputiert wurde, begann ihr Leidensweg, aber auch ihre außergewöhnliche Erfahrung mit Gott. Sie musste eine Prothese tragen und akzeptierte diese Einschränkung, in dem sie ihr „Beinchen“ Jesus schenkte. Sie empfing früher als üblich die Erstkommunion. Mit vielen Briefen, die sie diktierte oder, als sie dann schreiben gelernt hatte, selber verfasste, wandte sie sich in vielen Liebesbezeugungen an Jesus, an Gott Vater, den Heiligen Geist, die Gottes Mutter, Theresia von Lisieux …So schrieb Nennolina kurz vor ihrer Ersten Heiligen Kommunion: „Jesus, komm bald in mein Herz, damit ich Dich ganz fest drücken und Dich küssen kann“.

Am 4. September 1936 schrieb sie: „Ich bin sehr froh, dass Jesus mir dieses Problem geschickt hat, denn so bin ich seine Auserwählte.“ Ihre „Briefe“ an Jesus nehmen „Züge eines mystischen Zwiegesprächs“ an, die in ihrer theologischen Tiefe und Innigkeit in nichts den großen Mystikern nachstehen.

In ihrem letzter Brief, den sie unter großen Anstrengungen ihrer Mutter diktierte, heißt es: „Lieber gekreuzigter Jesus, ich habe dich so lieb und liebe dich so sehr! Ich will mit dir sein auf Golgotha. Lieber Jesus, sag Gott Vater, dass ich ihn auch sehr liebe. Lieber Jesus, gib mir die nötige Kraft, diese Schmerzen zu ertragen, die ich dir darbringe für die Sünder. …“ Am 3. Juli 1937 starb sie.

Geh und sündige von jetzt an nicht mehr

Gedanken zur Fastenzeit als eine Zeit der Umkehr und Buße

In der Fastenzeit ergeht an uns wieder der Ruf zur Bekehrung der Herzen. Jesus hat zu Beginn seines öffentlichen Wirkens verkündet: „Die Zeit ist erfüllt, das Himmelreich ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Aber wie wir aus unserer Erfahrung wissen, ist es mit der Umkehr und Änderung unseres Lebens gar nicht so einfach. Wir nehmen uns oft gute Vorsätze, doch der Wille zur Tat ist dann zu schwach, und es bleibt alles beim Alten. Wir machen es oft so, wie der kleine Jakob, von dem ein gläubiger Familienvater einmal berichtet hat:

„Als unser Sohn Jakob knapp zwei Jahre alt war, verfügte er bereits über einen bemerkenswerten Wortschatz und ein untrügliches Gespür dafür, wie er seine Worte einsetzen konnte, um seine Welt zu ordnen. Wenn er etwas falsch gemacht, z.B. seine Tasse durchs Zimmer geworfen hatte, forderten meine Frau oder ich ihn auf, sie wieder aufzuheben. Dann fragten wir: ‚Und was sagt man, Jakob?‘ ‚Tut mir leid‘, antwortete er jedesmal, und wir waren erfreut darüber, dass unser Sohn so gute Manieren hatte. Dann stellte ich eines Tages fest, dass die bereitwillige Reue, die er zeigte, auch eine Kehrseite hatte. Sobald Jacob laufen konnte, faszinierten ihn die Steckdosen in unserer Wohnung. Wir sagten ihm immer wieder, dass er sie nicht anfassen sollte, aber er lachte mich an und sagte: ‚Tut mir leid, Papa.‘ Es tat ihm gar nicht wirklich leid. Er versuchte es erneut, und schließlich, nach dem dritten Mal, sagte ich zu ihm: ‚Jakob, es ist schön, dass du sagst, es tut mir leid, aber ich will, dass du damit aufhörst.‘ In diesem Moment, als ich diese Worte aussprach, trafen sie mich selbst. Wir machen es ja mit Gott genauso, wie Jakob es mit uns macht. Wir sagen zu Gott: ‚Es tut mir leid‘, aber dann machen wir weiter wie bisher.“

Der Herr kommt allen mit seiner barmherzigen Liebe entgegen, die ihre Verfehlungen bereuen und sie in der Beichte bekennen. Jesus verurteilt uns nicht. Aber er möchte von uns, dass wir alles tun, um die Sünden, die er uns vergeben hat, auch zu meiden. Zur Ehebrecherin, die man vor Jesus geschleppt hatte, sagt Jesus: „Auch ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!“

Erlösung aus dem Götzendienst durch Maria

Es ist heute Mode, andere Kulturen und heidnische Religionen zu glorifizieren, besonders wenn sie fern oder längst verschwunden sind. Nehmen wir die aztekische Kultur in Amerika als Beispiel.
Den Missionaren, die die Indianer zum christlichen Glauben geführt haben, wird oft vorgeworfen, sie hätten damit diese Kultur zerstört. Sie wird als kleines Paradies dargestellt, das so niedlich erscheint, wenn die Kulturreste von Touristen bewundert oder bei uns in Museen ausgestellt werden.
Die aztekische Kultur hatte sicherlich wunderschöne Bauten, und manch andere beeindruckende kulturelle Errungenschaften vorzuweisen.

Aber die Azteken waren in einem schlimmen Götzenglauben gefangen. Nach ihrem Glauben mussten sie jährlich 30.000 bis 35.000 Menschenopfer ihren Göttern darbringen, um die Götter zu besänftigen – bei lebendigem Leib wurde den Opfern das Herz herausgerissen.

Für die Azteken war der Glaube an Jesus Christus die Erlösung aus diesem furchtbaren Götzendienst. Die Azteken waren schon auf das Kommen einer neue Epoche vorbereitet. In ihrer Zeitrechnung waren sie gerade zum Abschluss einer Zeit gelangt und in Erwartung der Offenbarung von etwas Neuen. Das entscheidende Zeichen für sie, dass sie sich wirklich dem neuen Glauben anschließen konnten, den die Eroberer gebracht hatten, war die Erscheinung der Gottesmutter in Guadalupe.

Maria hinterließ auf dem Umhang des hl. Juan Diego, eines bekehrten Indianers, ein Bildnis von sich. Das Beeindruckende an diesem Bild ist, dass Maria sich in ihrer Kleidung und ihren Gesten ganz den Vorstellungen der aztekischen Kultur angepasst hatte. Sie sieht wie eine Sonnengöttin aus, die aber im Zeichen des Kreuzes den wahren Gott und Erlöser bringt. Und als sie am 12. Dezember 1531 erschien, begann genau an diesem Tag der neue Zyklus, die neue Epoche, der Azteken. Dieser “Zufall“ war wohl einer der Gründe, warum sich innerhalb von zwei Jahren zwischen vier und sechs Millionen Azteken taufen ließen.

Das Erkennungszeichen

Der Teufel nahm eine herrliche Gestalt an und kam zum Einsiedler. Er sagte: „Freu dich, deine Entbehrungen und Leiden sind vorüber. Ich bin gekommen, ihnen ein Ende zu machen. Von nun an will ich für dich sorgen.“ „Wer bist du?“ „Ich bin der Christus, dein Herr. Du wirst mein Jünger sein und ich werde dein Gott sein.“ „Wo sind dann deine Wunden?“ „Ich komme aus der Herrlichkeit des Himmels. Es gibt keine Wunden mehr.“ „Ohne Wunden bist du nicht mein Erlöser. Du bist nicht Jesus Christus, der Schmerzensmann, der unsere Leiden getragen hat. Du kannst nicht mein Gott sein.“

Der Teufel kann uns immer nur irdisches Wohlergehen versprechen. Jesus hat uns dies nicht verheißen, sondern uns eingeladen das Kreuz mit ihm zu tragen, damit wir ewig leben. Maria sagte auch zu Bernadette: „Ich verspreche dir nicht, dich in dieser Welt glücklich zu machen, sondern in der anderen.“

Heilige Elisabeth

Am 19. November feiern wir den Gedenktag der hl. Elisabeth von Thüringen. Sie wurde 1207 als Tochter des Königs von Ungarn geboren. Mit vier Jahren kam sie auf die Wartburg bei Eisenach, wo sie mit dem Landgraf Ludwig IV zusammen erzogen und als Vierzehnjährige mit ihm verheiratet wurde. Ihre kurze glückliche Ehe, in der sie drei Kindern das Leben schenkte, endete 1227, als ihr Mann als Kreuzfahrer in Süditalien an einer Seuche starb. Elisabeth widmete sich dann ganz den armen und kranken Menschen und starb mit 24 Jahren. Ein kurzer Bericht aus den Zeugenaussagen zu ihrem Leben soll uns ihre glühende Gottes- und Nächstenliebe veranschaulichen:
Die selige Elisabeth stand gewöhnlich während der Nacht auf, um zu beten, so dass ihr Gemahl sie bat, ihre Gesundheit nicht zu untergraben. Weil sie immer so lange betete, schlief sie oft vor dem Bett auf dem Teppich ein. Wenn ihre Dienerinnen ihr dann Vorwürfe machten, warum sie nicht lieber bei ihrem Gemahl schliefe, antwortete sie: »Da es mir nicht möglich ist, immer zu beten, will ich doch meinem Fleisch diese Gewalt antun, dass ich mich von meinem heißgeliebten Gatten losreiße.«

Das „Heimweh“ der Armen Seelen nach Gott

Gedanken zum Fest Allerheiligen Allerseelen

Jedes Jahr erinnert uns die Kirche mit dem Fest Allerheiligen an die Gemeinschaft der Heiligen. Dazu gehören auch die Armen Seelen im Fegefeuer, die ja früher oder später nach ihrer Läuterung zu den Heiligen im Himmel gehören werden. Es ist wichtig, dass wir uns die Glaubenslehre über die jenseitige Läuterung vor Augen halten. Im Kathechismus steht: „Wer in der Gnade und Freundschaft Gottes stirbt,
aber noch nicht vollkommen geläutert ist, ist zwar seines ewigen Heiles sicher, macht aber nach dem Tod eine Läuterung durch, um die Heiligkeit zu erlangen, die notwendig ist, in die Freude des Himmels eingehen zu können.

Die Kirche nennt diese abschließende Läuterung der Auserwählten, die von der Bestrafung der Verdammten völlig verschieden ist, Purgatorium, d.h. Fegefeuer. … Schon seit frühester Zeit hat die Kirche das Andenken an die Verstorbenen in Ehren gehalten und für sie Fürbitten und insbesondere das eucharistische Opfer dargebracht, damit sie geläutert werden und zur beseligenden Gottesschau gelangen können. Die Kirche empfiehlt auch Almosen, Ablässe und Bußwerke zugunsten der Verstorbenen“ (KKK 1030f).

Worin besteht diese Läuterung? Die armen Seelen erleiden vor allem einen Schmerz der Sehnsucht nach Gott. Sie haben zwar die Sicherheit, dass sie einmal ganz mit Gott in Liebe vereint sein können.
Aber sie erkennen auch, dass sie zur Vereinigung mit Gott noch nicht fähig sind. Es mangelt ihnen noch die Fülle der Liebe. Ihre Seele ist durch die Folgen der früheren Sünden (die zwar vergeben sind) noch so beeinträchtigt, dass sie sich nicht ganz mit Gott vereinigen kann. Ihre Gottesliebe ist noch zu „kalt“. Sie muss noch durch das „Feuer der Sehnsucht“ erwärmt werden.

Oder man könnte auch einen anderen Vergleich verwenden. Das Leiden der Armen Seelen ist wie das „Heimweh“, das für manche einen großen seelischen Schmerz bedeutet, der fast nicht zu lindern ist, solange sie fern von zu Hause sind. Die Seelen im Fegefeuer werden durch dieses „Heimweh nach Gott“ geläutert, damit ihre Freude an Gott vollkommen wird. Die Verstorbenen müssen in der Liebe Christi, durch sein Opfer am Kreuz, vollendet werden. Wir können ihnen diese Erlöserliebe Christi zuwenden, durch unser Gebet, durch die Aufopferung der heiligen Messe, durch persönliche Opfer und durch die Ablässe, die uns die Kirche gewährt. Vergessen wir die Armen Seelen nicht! Sie warten auf unsere Hilfe.

Kinder sind keine Last sondern ein Geschenk

Es war für uns ein großer Segen, dass der Heilige Vater Österreich besucht hat. Er hat gerade in seiner Ansprache vor der Regierung mit klaren Worten ein Thema angesprochen, das heute in der Öffentlichkeit fast schon tabu ist, nämlich die Abtreibung. Hier noch einmal einige wichtige Aussagen:

In Europa ist zuerst der Begriff der Menschenrechte formuliert worden. Das grundlegende Menschenrecht, die Voraussetzung für alle anderen Rechte, ist das Recht auf das Leben selbst. Das gilt für das Leben von der Empfängnis bis zu seinem natürlichen Ende. Abtreibung kann demgemäß kein Menschenrecht sein – sie ist das Gegenteil davon. Sie ist eine „tiefe soziale Wunde“, wie unser verstorbener Mitbruder Kardinal Franz König zu betonen nicht müde wurde. Mit alledem spreche ich nicht von einem speziell kirchlichen Interesse. Vielmehr möchte ich mich zum Anwalt eines zutiefst menschlichen Anliegens und zum Sprecher der Ungeborenen machen, die keine Stimme haben. Ich verschließe damit nicht die Augen vor den Problemen und Konflikten vieler Frauen und bin mir bewusst, dass die Glaubwürdigkeit unserer Rede auch davon abhängt, was die Kirche selbst zur Hilfe für betroffene Frauen tut. Ich appelliere dabei an die politisch Verantwortlichen, nicht zuzulassen, dass Kinder zu einem Krankheitsfall gemacht werden und dass die in Ihrer Rechtsordnung festgelegte Qualifizierung der Abtreibung als ein Unrecht faktisch aufgehoben wird. Ich sage das aus Sorge um die Humanität. Aber das ist nur die eine Seite dessen, was uns Sorgen macht. Die andere ist, alles dafür zu tun, dass die europäischen Länder wieder kinderfreundlicher werden. Ermutigen Sie bitte die jungen Menschen, die mit der Heirat eine neue Familie gründen, Mütter und Väter zu werden. Damit tun Sie ihnen selbst, aber auch der ganzen Gesellschaft etwas Gutes. Ich bestärke Sie auch nachdrücklich in Ihren politischen Bemühungen, Umstände zu fördern, die es jungen Paaren ermöglichen, Kinder aufzuziehen. Das alles wird aber nichts nützen, wenn es uns nicht gelingt, in unseren Ländern wieder ein Klima der Freude und der Lebenszuversicht zu schaffen, in dem Kinder nicht als Last, sondern als Geschenk für alle erlebt werden.

Bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen

Am 8. Dez. feiern wir das Hochfest der unbefleckten Empfängnis Mariens. Im Jahre 1830 erschien Maria der jungen Novizin Katharina Laboré in der Klosterkirche der „Barmherzigen Schwestern“ in der Rue du Bac in Paris. Maria beauftragte sie , die „wunderbare Medaille“ prägen zu lassen, damit die Menschen zu großem Vertrauen in sie als die unbefleckt Empfängene motiviert werden. Die Medaille trägt ja die Aufschrift: „Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.“ Maria hat mit dieser Medaille einen wahren Siegeszug begonnen und unzähligen Menschen geholfen. Eine Begebenheit, die uns anspornen kann, in der Liebe zu Maria zu wachsen, sei hier angeführt.

Eine brasilianische Frau und Mutter machte im Jahre 1995 mit ihrer kleinen fünfjährigen Tochter, die unheilbar krank war, eine Wallfahrt in die Rue du Bac. Die Frau hatte etwas über die Erscheinung der Gottesmutter in Paris gelesen. Ein Umstand berührte sie ganz besonders. Bei ihrem ersten Erscheinen saß Maria, während sie mit Sr. Katharina Labore sprach, auf einem gepolsterten Stuhl, der dort in der Kirche war. Diesen Stuhl kann man heute noch sehen. So kam dieser Frau eine Idee, von der sie fest überzeugt war: wenn ihre Tochter sich auf diesen Stuhl setzen könnte, dann würde die Gottesmutter sie heilen. In diesem Glauben reiste sie mit ihrer Tochter nach Paris. In der Kirche angelangt, die immer von vielen Gläubigen besucht ist, sah sie, dass es gar nicht so einfach war, zu diesem Stuhl der Gottesmutter zu gelangen. Der Erscheinungsbereich war durch Kordeln abgegrenzt. Sie fragte eine der barmherzigen Schwestern, die gerade am Putzen der Kirche waren, ob sich ihre Tochter auf den Stuhl setzen dürfe.

Aber die Schwester sagte: Entschuldigen sie, das kann ich ihnen nicht erlauben, denn sonst würde ja jeder darum bitten – und das ist unmöglich.“ Das war natürlich eine schwere Enttäuschung für die Mutter. Als die Schwestern weggegangen waren, fasste sie einen anderen Plan: Wenn ihre Tochter schon nicht auf dem Stuhl sitzen durfte, dann sollte sie ihn wenigstens berühren. Und so flüsterte sie ihr zu, sie solle unter den Kordeln auf allen Vieren hindurch unter den den Sessel kriechen und ihn von unten berühren. Das kleine Mädchen machte es so, wie die Mutter gesagt hatte. Doch als sie zum Sessel hinkam, stand sie plötzlich auf und legte ihren Kopf auf die Samtpolsterung des Stuhles und nach einer gewissen Zeit kroch sie wieder zurück. Ihre Mutter tadelte sie: „Warum hast du das gemacht? Ich habe dir doch gesagt, du sollst nur kurz den Sessel berühren!“ Die Kleine antwortete strahlend: „Aber Mama, die FRAU hat mir gesagt, ich soll meinen Kopf auf ihr Knie legen.“

Nach Brasilien zurückgekehrt, konnten die Ärzte bestätigen, dass das Kind völlig geheilt war.
Diese Begebenheit gibt uns ein wunderbares Bild dafür, mit welcher Haltung und mit welchem Vertrauen wir zu Maria kommen sollen: wie dieses Mädchen, das ihren Kopf auf die Knie der Gottesmutter legte. Wer sich von Mariens Liebe berühren lässt, der wird von vielen Wunden und Leiden geheilt.