Carl Lampert – Alles steht in Gottes Hand, auf ihn vertraue ich

Der 13. November 2011 ist für unsere Diözese ein großer Tag. Provikar Dr. Carl Lampert wird als Märtyrer des Glaubens seliggesprochen. Die Feier der Seligsprechung wird in Dornbirn in der Pfarrkirche St. Martin um 16.30 sein. Carl Lampert war ein großer Glaubenszeuge in einer schwierigen Zeit und er wird uns durch sein Beispiel und seine Fürsprache helfen, dass auch wir in den Verwirrungen unserer Zeit treu den Weg des katholischen Glaubens gehen.

Carl Lampert stammt aus Göfis, wo er am 9. Januar 1894 als jüngstes von sieben Kindern zur Welt kam. Seine Familie lebte in einfachen Verhältnissen. Nach der Matura trat er 1914 in das Priesterseminar in Brixen ein. Dort fiel der Student aus Vorarlberg vor allem durch sein feines Wesen, seine freundliche Art und sein elegantes Äußerliches auf. Am 12. Mai 1918 empfing er die Priesterweihe.

Seine erste Dienststelle trat Carl Lampert als Kaplan in Dornbirn-Markt an. Hier suchte er vor allem in vielen Vereinen den Kontakt zu den Jugendlichen, die er auch in verschiedenen Schulen unterrichtete. 1930 wurde er vom Bischof zum Studium des Kirchenrechts nach Rom gesandt. Die Zeit in Rom war für ihn, wie er später sagte, die glücklichste Zeit. 1939 – während der Herrschaft der Nationalsozialisten – wurde Dr. Carl Lampert zum Provikar der neuen errichteten Administratur Innsbruck-Feldkirch ernannt. Mit großem Verantwortungsbewusstein setzte er sich für kirchliche Anliegen ein.

Der Innsbrucker Gauleiter Franz Hofer hatte sehr bald erkannt, dass er in Lampert den gefährlichsten kircheninternen Gegner hatte, den er beseitigen wollte. Provikar Lampert trat sehr mutig und entschieden gegen kirchenfeindliche Handlungen der örtlichen nationalsozialistischen Gauleitung auf und verteidigte die Rechte der Kirche. Mehrmals wurde er dafür in Gestapo-Haft genommen. Der Fall des Pfarrers von Götzens, Otto Neururer, der am 30. Mai 1940 in Buchenwald ermordet wurde, brachte ihn schließlich selbst ins Konzentrationslager. Provikar Lampert hatte eine Todesanzeige für Pfarrer Neururer verfasst, die den Nationalsozialisten nicht passte.

Der Leidensweg Carl Lamperts führte ihn ab 25. August 1940 durch die Konzentrationslager Dachau, Sachsenhausen-Oranienburg und wiederum Dachau. Dort wurde er am 1. August 1941 entlassen, erhielt aber in Tirol „Gauverbot“ und musste sich fortan im Gau Pommern/Mecklenburg aufhalten. Dahinter steckte ein ausgeklügelter Plan, Lampert mittels eines Spitzels der Spionage zu überführen und sein Todesurteil vorzubereiten. Dieser Spitzel schleuste sich als „Ing. Hagen“ ein und sammelte fortan das Material für den Prozess. Sein Lügenprotokoll war Grundlage der Anklage gegen Provikar Carl Lampert und führte zu einem dreimaligen Todesurteil, das schließlich am 13. November 1944 vollstreckt wurde. Er wurde mit dem Fallbeil enthauptet. Seine letzen Worte unmittelbar vor der Hinrichtung waren „Jesus, Maria“.

Provikar Lampert musste in den Gefängnissen Schlimmes durchmachen, aber er war bis zuletzt getragen von einem tiefen Gottvertrauen. An seinen Bruder Julius schrieb er im Sept. 1944: „Nun ist mein Trost und meine Stärke Matthäus 5,11: ‚Selig seid ihr, wenn euch die Menschen schmähen und verfolgen und alles Böse fälschlich wider euch aussagen um meinetwillen. . . .‘ Wie lange ich noch lebend zu erreichen bin, weiß ich nicht, es kann auch schnell gehen. Alles steht in Gottes Hand, auf ihn vertraue ich, seinen Willen erfüllen will ich und bin bereit – auch zum Letzten! Nun ist alles noch ein Wettlauf der Zeit mit dem Tode – und ‚irgend eine Erlösung naht!'“

Mein letzter Atemzug sei ein inniger Dank

Am 8. April 1943 verfasste Dr. Lampert in Stettin sein Testament. Auch sein Letzter Wille beginnt damit, dass er Gott dankt für all die Liebe, die er in seinem Leben spüren konnte:

„Mein irdisches Leben übergebe ich meinem Gott und Schöpfer, wann und wie immer er es von mir fordern wird, meiner unsterblichen Seele möge er durch Christi Erlösungstat ein barmherziger Richter und Vater sein. Mein letzter Atemzug noch sei ein inniger Dank an den hl. dreieinigen Gott, für alle Gaben und Wohltaten meines ganzen Lebens, namentlich aber für das große Geschenk eines katholischen Elternhauses und der Auserwählung zum Kinde Gottes und Berufung zum Priestertum – Christ und Priester zu sein, war mein höchstes Glück, es leider nur so menschlich-armselig gewesen zu sein, mein tiefstes Leid …“

Zwei Wochen vor seinem Tod schrieb Provikar Lampert an seinen Freund Alfons Rigger; es war der Vorabend zum Christkönigssonntag, und er formulierte noch einmal sehr eindringlich seine gläubige Zuversicht:

„Doch es hat keinen Sinn, sich über die Existenz des Teufels zu unterhalten, wo er so reichlich zu erleben ist! Noch mag er triumphieren, niemals aber wird er siegen! – Christkönigstag heute, wie leuchtet sein Reich auf im Dunkel dieser entsetzlichen Zeit … immer mehr wollen wir ihm zugehören, immer tiefer und treuer, damit wir seines Reiches glückselige Herrlichkeit einst miteinander bei ihm genießen dürfen…“

Leben in der Nachfolge Christi

Im Evangelium vom 22. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr A kündigt Jesus seinen Jüngern sein Leiden, sein Kreuz und auch seine Auferstehung an. Aber die Jünger verstehen in nicht. Petrus nimmt Jesus sogar beiseite und machte ihm Vorwürfe: „Das soll Gott verhüten, Herr! Das darf nicht mit dir geschehen!“ Jesus aber wendet sich um und sagt zu Petrus: „Weg mit dir, Satan, geh mir aus den Augen! Du willst mich zu Fall bringen; denn du hast nicht das im Sinn, was Gott will, sondern was die Menschen wollen.“ Und er schärft den Jüngern noch einmal deutlich die Bedingungen für Zugehörigkeit zu ihm ein: „Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“

Der Sinn vom Kreuz und Leiden unseres Herrn – und damit auch der Sinn des Kreuzes in unserem Leben – war nicht nur damals schwer verständlich. Es ist auch heute so, wie der hl. Paulus sagt: Die einen halten dieses „Kreuztragen aus Liebe zu Gott“ für eine Dummheit, die anderen für ein Ärgernis, an dem sie Anstoß nehmen.

An zwei Beispielen können wir sehen, was gemeint ist mit jener Kreuzesnachfolge, an der die Welt Anstoß nimmt.

Es geschah in einer Familie: Als die Kinder groß und außer Haus waren, begann der Vater zu trinken. Es gab schlimme Szenen. Seine Frau hatte vieles zu ertragen. Ihre Bekannten haben zu ihr gesagt: Sie solle doch nicht so dumm sein und sich alles gefallen lassen. Sie soll sich doch scheiden lassen. Aber sie sagte: „Was ich damals vor Gott versprochen habe, das kann ich nicht ändern. Ich bin verantwortlich für sein ewiges Heil.“ Und sie hat ihr Kreuz tapfer weiter getragen.

Oder ein anderer Fall: Ein 60-jähriger Mann berichtet in einem Glaubenszeugnis:

Als er mit 30 Jahren mit seiner Braut am Altar stand, da war es ihm bewusst: Dieses Jawort vor Gott gilt fürs ganze Leben. Nach einigen Jahren Ehe ließ sich seine Frau von ihm scheiden und zog mit einem andern davon. Für ihn war klar, dass er nicht mehr heiraten würde. Er sagte über diese Zeit: „Gott weiß um mein seelisches Leid, und ich muss zugeben, dass die Einsamkeit wirklich schrecklich war und oft noch ist. Aber das alles führte mich näher zu Gott.“ Schmerzlich war für ihn: Viele seiner Bekannten und Freunde verstanden nicht, dass er nicht noch einmal heiratete. Er bekam zu spüren, dass sie ihn als abnormal einstuften. Aber er sagt: „Ich kenne die Einsamkeit der Geschiedenen, aber ich habe deswegen Gottes Gebot der Unauflöslichkeit der Ehe niemals als unmenschliche Härte empfunden. Ich wollte vielmehr bereit sein, diesen Weg, den Gott mir in seiner unverständlichen Weisheit und Liebe gezeigt hat, auch zu gehen.“

Das sind zwei Beispiele wahrer Kreuzesnachfolge, und es ist interessant, dass die Reaktion der Menschen auf das Kreuztragen genauso war wie im Evangelium. Das heißt: Wenn es darum geht, aus Liebe zu Gott und aus Treue zu seinen Geboten ein Leiden auf sich zu nehmen, dann wird die Welt immer ihre Stimme erheben und sagen: „Das kann man dir doch nicht zumuten. Das kann niemand von dir verlangen. Das brauchst du dir doch nicht gefallen zu lassen. Sei doch nicht so dumm und engstirnig. Du musst dich zur Wehr setzen und dich selbst verwirklichen, sonst hast du nichts vom Leben.“

Die Stimme des Herrn aber sagt zu uns: „Verleugne dich selbst, verlass das ängstliche und krampfhafte Sorgen um dich und deinen eigenen Vorteil, nimm dein Kreuz auf dich, denn mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht. Ich bin dir diesen Weg vorausgegangen, denn dieser Weg führt zur Auferstehung und zum wahren Leben.“ Zwischen diesen beiden Stimmen müssen wir uns entscheiden.

Jene Menschen aber, die in der Nachfolge Christ ihr Kreuz tragen, sind die eigentlich tragenden Säulen, sei es in der Familie, in der Kirche oder in der Gesellschaft. Sie stützen und halten noch zusammen, was durch den Egoismus schon lange zerbrechen würde. Im Büchlein der Nachfolge Christi heißt es: „Es gibt keinen anderen Weg zum Leben und zum wahren inneren Frieden als den Weg des heiligen Kreuzes.“

Hl. Franz von Assisi – Portiunkula

Der 2. August ist der sogenannte Portiunkula-Tag. Er erinnert uns an jene Kapelle in Assisi, die Maria, Unserer Lieben Frau von den Engeln geweiht ist, und die der hl. Franz mit eigenen Händen wieder aufgebaut hat, da er von großer Liebe zu Maria erfüllt war. Dieses Kirchlein war für den hl. Franz von großer Bedeutung.

„Hier legte er den Grundstein für ein Leben in Vollkommenheit, hier schritt er in den Tugenden wunderbar voran, hier vollendete er seinen Lebenslauf durch einen seligen Tod und sterbend empfahl er seinen Brüdern diese Kirche als von der Heiligen Jungfrau geliebten Ort“, sagt der hl. Bonaventura.

Und an diesem Ort gründete der heilige Franz auch seinen Orden der Minderbrüder. In einer Vision sah er, dass viele blinde Menschen an diesem Ort durch eine Flamme vom Himmel das Augenlicht erhielten. Das hat sich wirklich erfüllt.

Pfarrer von Ars – Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder

Pfarrer von ArsAm 4. August feiert die Kirche das Fest des hl. Pfarrers von Ars. Wegen seiner Treue in der Christus-Nachfolge und in der Sorge um das Seelenheil der Menschen hatte er auch viel zu leiden. Aber sein Beispiel gibt uns Mut, in allen Bedrängnissen standzuhalten. Gott wird daraus großen Segen fließen lassen.

Es waren schon fast zehn Jahre vergangen seit seiner Berufung nach Ars. Immer wieder wird der Pfarrer angegriffen. Sein Eifer und seine Strenge stoßen oft auf Gegenwehr, so dass man in den Wirtshäusern immer mehr gegen ihn spottet. Selbst seine eigenen Priesterkollegen ziehen über ihn her. Natürlich kommt es auch zu Verleumdungen beim Bischof, der aber zu ihm steht.

Für Johannes-Maria Vianney sind alle Verleumdungen nur ein Kreuz. Seine Einstellung dazu drücken folgende Zitate aus: „Was braucht man, um den Himmel zu verdienen? Die Gnade und das Kreuz.“ Oder „Niemals war ich so glücklich wie in den Augenblicken, da ich verfolgt und verleumdet wurde. Gott überschüttete mich dann mit Tröstungen, Gott gewährte mir alles, worum ich ihn bat.“

Doch eines der schlimmsten Ereignisse sollte beinahe so weit führen, dass der Pfarrer aus Ars flüchten wollte. Gegen Ende des Jahres 1826 stirbt die Witwe Matin, deren Tochter Christine dem Tanzfieber verfallen ist. Christine verfällt daraufhin in eine Lethargie, die vom Pfarrer von Ars wahrgenommen wird. Als sich herausstellte, dass sie ein Kind erwartete, herrschte im ganzen Dorf ziemliche Unruhe.

Doch Pfarrer Vianney nimmt sie in Schutz. „Weil ich die Sünde hasse, liebe ich den Sünder“, antwortet er den Menschen von Ars. Es ist eine dunkle Nacht im September, als Christine ihr Kind zur Welt bringt. Dies erregt noch mehr den Spott von einigen Dorfbewohnern, vor allem der jungen Burschen.
Als der Pfarrer von Ars sie beschützen will, wird in einem der Wirtshäuser das Gerücht in Umlauf gesetzt, dass vielleicht doch der Pfarrer selber der Vater sein könnte. Nach einiger Zeit ist plötzlich Christine verschwunden. Sie hat den Druck der Mitmenschen nicht mehr ausgehalten und ist in die Saône gesprungen.

Als der Pfarrer den Leichnam der Selbstmörderin auf dem Friedhof begräbt, löst dies neue Proteste aus. Mutter Renard, die Haushälterin des Pfarrers, weigert sich ebenfalls, das Kind von Christine zu behalten, worauf es der Pfarrer von Ars in die Providence bringt und sagt: „Das schickt euch der liebe Gott“. Selbst Katharina Lassagne plagen nun die Zweifel an Johannes-Maria Vianney.

Inzwischen werden die Verleumdungen immer mehr, niederträchtige Briefe werden vor dem Pfarrhaus deponiert. Doch der Pfarrer von Ars schweigt beharrlich zu all den Vorwürfen gegen seine Person, obwohl er dabei Furchtbares durchmachen muss. Er sagt: „Ja, ich leide, wie ich nie zuvor gelitten habe. Gegen dieses Leid war alles andere nichts. Heute ist ein Kind, das mir sonst stets freundlich die Hand gab, vor mir fortgelaufen, als wäre ich der Leibhaftige.“

Das Werk des heiligen Pfarrers von Ars, das inzwischen aufgebaut ist, droht unterzugehen, da nun selbst gutgesinnte Menschen Zweifel an ihm bekommen.

Inzwischen kommt sogar der Dechant von Trévoux, der vom Bischof beauftragt ist, ins Pfarrhaus. Er schlägt ihm vor, entweder den Rücktritt einzureichen oder eine Volksmission für Ars zu organisieren. Der Pfarrer von Ars entscheidet sich vorerst für die Mission. Kartäusermönche aus Lyon kommen und predigen tagelang auf der Kanzel und verteidigen den Pfarrer, doch die Leute von Ars sagen: „Wenn er selbst nicht spricht? Wie soll man ihm da glauben?“

Doch Gott läßt Johannes Maria Vianney nicht im Stich. Am dritten Tag nach Beginn der Mission ereignet sich ein Unfall. Ein Pferdeknecht des Bauern Trève, der sich über den Pfarrer von Ars im Wirtshaus lauter als alle anderen lustig gemacht hat, wird von einem Hufschlag getroffen und ruft in seinem Todeskampf nach einem Kartäuser. Nach der Beichte ließ der Priester sofort den Bürgermeister des Dorfes und andere Ehrenmänner holen und fordert sie auf, das Geständnis des Sterbenden zu hören: „Ich bin der Vater des Kindes, das Christine Matin geboren hat. Ich habe es dem Pfarrer Vianney längst schon in der Beichte bekannt, aber er hat nicht gesprochen….“ Wenige Augenblicke nach dem Geständnis stirbt er.

Sofort verbreitet sich die Nachricht im ganzen Dorf, doch fast scheint es zu spät zu sein, da Pfarrer Vianney inzwischen seinen Rücktritt beim Bischof eingereicht hat. Schließlich kann aber doch noch dank der Intervention des Bürgermeisters und des Grafen Garets erreicht werden, daß der Rücktritt vom Bischof zurückgenommen wird. Durch dieses Ereignis wird die Pfarrgemeinde von Ars derart erschüttert, daß die Mission zu einem gigantischen Erfolg wird. Fast das gesamte Dorf bekennt seine Sünden und keiner spricht mehr schlecht über den Pfarrer. „Ars ist nicht mehr Ars!“

Quelle: www.kath.net

Durch den eucharistischen Segen geheilt

Als schwerkranker Mann unternahm der Schweizer Benediktiner Bruder Leo Schwager im Frühjahr 1952 seine erste Wallfahrt nach Lourdes. Dabei wurde er von einem Augenblick auf den anderen von Multipler Sklerose im Endstadium geheilt. In einem Zeugnis, das er noch ein halbes Jahr vor seinem Tod 2004 gegeben hat, schildert er seine Erlebnisse:

Als er nach Lourdes kam, war er völlig gelähmt. So wurde er gleich am ersten Tag vormittags zum Bad im Lourdeswasser gebracht. Aber sein Zustand hat sich nicht geändert.

Da er sich nicht äußern konnte wurde er von einem Pfleger versehentlich auch am Nachmittag noch einmal ins Bad gebracht; ohne Erfolg. Er sagt „Und ich war so müde, ich hatte so große Schmerzen und wäre so gern heimgefahren worden ins Spital Notre Dame de Lourdes. Aber ich konnte nicht sprechen, ich konnte nicht einmal ein Zeichen geben, weil die Glieder so gelähmt waren. Und so hat der gute Mann mich einfach auf den Rosenkranzplatz gefahren, wo die Kranken aufgestellt wurden für den Krankensegen. In meinem Innern habe ich gedacht: ‚Nun in Gottes Namen, das wirst du jetzt auch noch aushalten.‘ An diesem Tag hat Kardinal Gerlier von Lyon den Krankensegen erteilt. … Als der Kardinal mit dem Allerheiligsten mit der Monstranz den Segen gerade vor mir spendete, da ging es wie ein Schlag durch meinen ganzen Körper vom Kopf bis zum Fuß. Und mir wurde schwarz. Ich wusste von nichts mehr. Mein letzter Gedanke war noch: „So, jetzt kannst du sterben.” Plötzlich merkte ich, dass ich auf den Knien vor dem Bischof auf den Füssen war. Sofort kam einer unserer Schweizer Ärzte, hat mich an der Schulter gehalten und gefragt: ‚Bruder Leo, was ist los mit Ihnen?‘ Und ich konnte ihm spontan zur Antwort geben: ‚Mir geht es gut, ich bin gesund.‘ Und ich habe mich wirklich ganz wohl gefühlt, wie neu geboren. Der Arzt hat sich neben mich hingekniet.“

Dieses Wunder wurde auch kirchlich bestätigt. Nach seiner Heilung hat Bruder Leo durch mehr als 50 Jahre unzählige Pilger nach Lourdes begleitet.

Geheimnis des Leidens

Martin ist 14-jährig gestorben. Von Geburt an körperbehindert, war er seit acht Jahren gelähmt. Er kannte viele Kliniken und Krankenhäuser. Er kannte die Welt der Rollstühle und die Sauerstoffflaschen.

Martin war unerhört geduldig. Wenn es ihn am Knie juckte, konnte er sich dort nicht kratzen. Er musste jemanden bitten, ihn am Knie zu kratzen. Er konnte sich im Bett nicht auf die andere Seite drehen. Wollte er seine Lage verändern, musste er jemanden bitten, ihn herumzudrehen. Martin hatte einen hellen Verstand. Er hatte alles begriffen. Er wusste, was ihm bevorstand. Und genau so, wie wir es immer befürchtet hatten, dass sein Ende einmal sein würde, so war es dann auch.

Sein Sterben war sehr mühsam. Es bestand darin, dass er langsam erstickte. Er litt am Schluss so sehr, dass ich Dich inständig gebeten habe, Herr, sein Leiden abzukürzen, sein Leben zu beenden. Viele haben Dich darum gebeten, Herr, eigentlich alle, die Martin kannten und mochten. Dann endlich hast Du ihn von seinem Leiden erlöst.

Ich frage Dich, Herr, warum musste dieser Junge mit den freundlichen, sanften Augen so lange leiden? Ich frage mich immer wieder, was war der Sinn dieses Lebens und dieses qualvollen Sterbens?

Martin war ein freundlicher Junge, ein liebenswerter Mensch. Er hatte ein gutes Herz, er hatte keine Schuld. Ich will glauben, Herr, dass Du ein guter Gott bist. Dass Du es gut mit uns allen meinst, dass Du alles zu einem guten Ende führen wirst.

Ich verstehe nicht, dass ein Kind einen so schweren Tod sterben muss. Warum sagst Du uns nicht, warum dies alles so sein muss?

Hl. Schwester Faustyna – Das alles für die Erlösung der Seelen

hl. Sr. FaustynaGott hat uns durch das Leben und die inneren Erfahrungen der hl. Schwester Faustyna noch einmal seine unendliche Barmherzigkeit geoffenbart. Die Feier des Sonntags der Barmherzigkeit, der Barmherzigkeits-Rosenkranz und die Novene zur göttlichen Barmherzigkeit sind Früchte der Gnade, die Sr. Faustyna durch ihre innere Vereinigung mit Jesus der Kirche geschenkt hat. Ihr Tagebuch, das sie auf Anweisung ihre Beichtvaters geschrieben hat, ist reich an geistlichen Erfahrungen, die in ähnlicher Form für jeden Gläubigen bedeutsam sind. Immer wieder geht es um das Gebet und Opfer vereint mit Jesus zum Heil der Menschen. Als Christen leben wir nicht mehr für uns selber. Es geht immer um die Verwirklichung der Liebe Christi.

7. Juli 1937: „Am Abend erblickte ich den gekreuzigten Herrn. Von den Händen, Füßen und aus der Seite floss das allerheiligste Blut. Nach einer Weile sagte mir Jesus : ‚Das alles für die Erlösung der Seelen. Überlege, Meine Tochter, was du für ihre Rettung tust.‘ Ich entgegnete: ‚Jesus, wenn ich auf Deine Leiden sehe, dann tue ich fast nichts, um Seelen zu retten.‘ Da sagte mir der Herr: ‚Wisse, meine Tochter, dass dein tägliches, stilles Leiden in voller Hingabe an Meinen Willen viele Seelen in den Himmel führt; und wenn du meinst, dass das Leiden deine Kräfte übersteigt, schau auf Meine Wunden, dann wirst du dich über Verachtung und Urteil der Menschen erheben. Die Betrachtung Meines Leidens wird dir helfen, alles zu übersteigen.‘ Ich konnte viele Dinge begreifen, die ich früher nicht verstand.“

Sr. Faustyna hat auch erfahren, wie wichtig das Gebet und Opfer für die Seelen der Verstorbenen ist. Sie schreibt:

9. Juli 1937: „Am Abend kam eine unserer verstorbenen Schwestern zu mir. Sie bat mich um einen Fastentag und die Aufopferung aller Tagesübungen für sie. Ich sagte zu.

Am nächsten Tag, gleich am Morgen, begann ich alles in der Meinung der Schwester zu tun. Während der heiligen Messe litt ich kurz ihre Qualen. Ich spürte in meiner Seele einen so starken Hunger nach Gott, dass ich meinte, vor Sehnsucht nach Vereinigung mit Ihm zu sterben. Das dauerte nicht lange, aber ich begriff, was die Sehnsucht der Seelen im Fegefeuer ist.

Gleich nach der heiligen Messe bat ich die Mutter Oberin um Fastenerlaubnis, erhielt sie aber nicht, weil ich krank war. Als ich aus der Kapelle ging, hörte ich die Worte: ‚Würden Sie, Schwester, fasten, hätte ich erst am Abend Linderung erfahren, aber des Gehorsams wegen, der Ihnen zu fasten verbot, erhielt ich die Linderung sofort. Gehorsam hat große Macht.‘ — Nach diesen Worten hörte ich: ‚Vergelt’s Gott.'“

Die meisten von uns werden diese geistigen Wirklichkeiten nicht so bildlich und unmittelbar wie die hl. Sr. Faustyna erfahren. Aber das ändert nichts daran: Alles, was wir aus Liebe zu Jesus opfern, beten und ertragen, bringt reiche Frucht.

Sich von Maria führen lassen

Im Monat Mai ehren wir Maria als unsere Mutter. Im Laufe der Geschichte ist Maria immer wieder in besonderen Erscheinungen zu uns gekommen, um die Menschen im Glauben zu stärken, sie zur Umkehr und zum Gebet zu rufen.

Alle, die Maria bei ihren Erscheinungen sehen durften, waren fasziniert von ihrer unbeschreiblichen Schönheit und angezogen von ihrer barmherzigen Liebe. Maria hat diese Seher angespornt zu einem konsequenten Leben der Nachfolge Christi. Viele von ihnen sind zu Heiligen geworden, denken wir an die hl. Bernadette oder die Kinder von Fatima.

Wir können zwar Maria nicht in dieser Weise sehen. Aber wenn wir ihr Leben betrachten, wenn wir sie verehren uns selber durch sie Jesus weihen, so wird Maria für jeden von uns ein mächtiger Ansporn zur Nachfolge Christ sein. Was das heißen kann, das sehen wir im Leben des hl. Pfarrers von Ars.

Johannes Maria Vianney war als Jugendlicher körperlich schwach und blieb bei der Feldarbeit immer hinter seinen Brüdern zurück. Seine Kräfte reichten nicht aus, um mit den stärkeren Brüdern bei der Arbeit mithalten zu können. So sehr er sich auch immer anstrengte, die Brüder waren ihm auf dem Feld immer weit voraus.

Bei einer Namenstagsfeier schenkte ihm eine seiner Tanten ein gerahmtes, kleines Marienbild. Das nahm er zur Feldarbeit mit. Er setzte es in die Ackerfurche, die er zu bearbeiten hatte, immer einige Meter weit voraus. Er war davon überzeugt, Maria werde ihn wie ein Magnet anziehen und seine Kräfte stärken und seine Liebe und Sehnsucht nach Maria werden ihm die Kraft geben, dass er schneller vorwärts kommt, sodass er nicht immer das Schlusslicht hinter seinen Brüdern auf dem Felde bliebe. Und wenn er mit Hacke und Spaten das Marienbild erreicht oder sich an das Marienbild herangearbeitet hatte, nahm er es dankbar in die Hände, küsste es und setzte es wieder einige Meter weit voraus, damit Maria ihn weiterhin gleichsam wie ein Magnet anziehe. So hat er sich mit Maria auf dem heimatlichen Feld vom Schlusslicht zu einem Vorarbeiter entwickelt. Es ist rührend, wie der spätere große Heilige schon als junger Mensch mit Maria zusammenarbeitet. Und so hat er seine Arbeit später auf dem großen Feld der Seelsorge fortsetzen.

Der hl. Augustinus betet in seinem berühmten Gebet zum Hl. Geist: “Treibe mich, du Heiliger Geist, dass ich Heiliges tue!”. Wenn wir Maria als unser Vorbild betrachten, dann wird der Heilige Geist uns durch Maria antreiben zum Guten, denn Maria ist die Braut des Heiligen Geistes.

(Quelle: Die Geschichte ist aus einer Predigt von Kard. Meisner in Kevelar)

Wirkung des Gebetes im mystischen Leib Christi

Die sel. Anna Katharina Emmerich berichtet von einer Vision (die Clemens Brentano aufgezeichnet hat), in der ihr die heilige Kaiserin Kunigunde (980-1033) erschien. Anna Katharina hatte für diese Heilige eine große Verehrung, da Kunigunde eine Vorfahrin von Anna Katharina war.

Die hl. Kunigunde sprach mit ihr und zeigte dabei auf einen besonders glänzenden Stein in ihrer himmlischen Krone: „Diesen Stein verdanke ich dir und deiner Fürbitte.“ Auf die verwunderte Frage der Seherin, wie das nur möglich sei, hat Kunigunde geantwortet: „Im ganzen Menschengeschlecht wirkt das Gute wie auch das Böse, das einer tut, auf alle zurück, in die Vergangenheit hinein, wie auch in die Zukunft. In Gottes Augen gilt das uns so wichtig erscheinende zeitliche Auseinander nicht! Mehr trifft dieser Zusammenhang aber noch zu bei denen, die durch leibliche Verwandtschaft miteinander verbunden sind.“

Alles was wir also heute mit Gottes Gnade beten und opfern, hat seine Wirkung für den ganzen mystischen Leib Christi einerseits für die Gegenwart und für die Zukunft, als auch – was für uns schwerer verständlich ist – für die Vergangenheit. Es gibt eine Gemeinschaft aller Menschen sowohl im Guten aber auch im Bösen. Der hl. Paulus hat auf diesen Zusammenhang hingewiesen. „Wie in Adam alle sterben, so werden in Christus alle lebendig gemacht werden.“

Sel. Johannes Paul II. – Er wusste unser Leben zu würdigen

Am 1. Mai wurde Papst Johannes Paul II. in Rom seliggesprochen. Etwa 1,5 Millionen Menschen haben an der Seligsprechung teilgenommen. Johannes Paul II. war ein großer Zeuge des Glaubens und der Liebe Gottes. Oft hat er bei seinen Reisen in spontanen Gesten seine Hirtenliebe für die Kleinen und Unscheinbaren gezeigt, um die Menschen im Glauben zu stärken. Eine Begebenheit aus seinem Leben zeigt uns dies eindrucksvoll:

Bei seinem letzten Besuch in Polen im Jahre 1999 wollte Papst Johannes Pauls II. als alter und kranker Mann noch einmal einen Tag am masurischen See verbringen. Als junger Kaplan hatte er dort mehrere Kajaktouren unternommen. Am späten Vormittag äußerte der Papst überraschend den Wunsch: er würde gerne die Familie Milewski im Dorf Leszczewo besuchen – dort einen Blitzbesuch machen, der nicht geplant war!

Die Organisatoren waren baff. „Familie Milewski? – wer soll das überhaupt sein. Und warum dieser Besuch?“ „Vor vierzig Jahren etwa habe ich dort“ – so der Papst – „an einem besonders heißen Tag ein Glas kühler Sauermilch geschenkt bekommen.“ Dem Papst war diese Begebenheit jetzt eingefallen. Er wollte gerne sehen, ob es den ärmliche Bauernhof noch gibt. Der Ortspfarrer wurde eingeschaltet. „Milewski? … Ja die Familie gibt es … Der Vater ist schon recht alt.“ „Hören Sie, in einer Stunde kommt dort ein Bischof vorbei. Bereiten sie die Leute vor!“ Kaum ist das ärmliche Haus etwas aufgeräumt, hält schon die Wagenkolonne. Der Papst steigt aus. Die Überraschung konnte nicht größer sein. Groß war auch die Verblüffung über den Grund des Besuchs, hatte doch der Herr Milewski unzählige Gläser Sauermilch im Leben verschenkt. Und jetzt kam der Papst bei ihm zu Besuch, um sich noch einmal bei ihm zu bedanken.

Eine Woche später wurde der Bauer von Journalisten gefragt, ob sich etwas bei ihm seit dem Besuch des Papstes verändert hätte. Seine Antwort: „Früher habe ich meine Armut oft verflucht. Es schien kein Sinn mehr im Leben zu sein. Und da kam der Papst zu uns und wusste unser Leben zu würdigen. Das hat meine Einstellung zu meinem Leben geändert.“

Die Tatsache, dass der Papst diesem einfachen Bauern seine Wertschätzung gezeigt hat, hat diesen Mann verändert. Rein äußerlich hat sich nichts verändert: immer noch dieselbe Armut und immer noch dieselbe Mühsal. Und doch ist alles anders seit dem Tag, als der Papst das Leben dieses kleinen Bauern durch seinen Besuch gewürdigt hat.

Diese Begebenheit ist ein Zeichen für uns. Wie wichtig ist es doch, dass wir uns an die Wohltaten erinnern, die wir von so vielen Menschen um uns empfangen haben. Eine Geste der Dankbarkeit und Wertschätzung baut die Menschen auf. Aber Jesus sagt auch: „Wer einem von diesen Kleinen auch nur einen Becher frisches Wasser zu trinken gibt, weil es ein Jünger ist – amen, ich sage euch: Er wird gewiss nicht um seinen Lohn kommen“ (Mt 10, 42). So wie der sel. Johannes Paul II. sich an diesen Bauern erinnert hat, so wird uns auch Gott alles lohnen, was wir aus Liebe und Erbarmen den Menschen tun.