Hl. Theresia von Lisieux – „Hier hast du 500 Lire!“

Vor 100. Jahren geschah eines der außergewöhnlichsten Wunder, die die hl. Theresia von Lisieux gewirkt hat. Dieses Wunder, das 1910 im Karmelkloster von Gallipoli in Italien geschah, war für die Kirche einerseits die Be-stätigung ihres „kleinen Weges“ und es hat auch den Weg zur Seligsprechung von Theresia geebnet.

Am 12. Juli 1897, als die hl. Theresia dem Tode nahe war, sagte die Priorin (ihre leibliche Schwester) zu ihr: „Du wirst vom Himmel auf uns herabschauen, nicht wahr?“ Theresia aber sagte überraschend: „Nein, ich werde herunterkommen.“ Und sie hat ihr Wort gehalten.

Bald nach ihrem Tod wurde Theresia bekannt durch ihre Autobiographie „Geschichte einer Seele“. 1908 erfuhr auch die Priorin des Karmels von Gallipoli, Mutter Maria Carmela vom Herzen Jesu, etwas über Theresia. Die Priorin war genauso alt wie Theresia und hatte mit vielen Schwierigkeiten zu kämpfen. Ihre Klostergemeinschaft bekam die Wirtschaftskrise zu spüren. 1910 war das Kloster dem Ruin nahe. Es war mit 300 Lire verschuldet; damals eine beträchtliche Summe. Mutter Maria Carmela war zuversichtlich, dass ihr die kleine Therese helfen würde.

In der Nacht vom 15. auf den 16. Januar 1910 erschien ihr im Traum eine junge Karmeliten-Schwester. Sie lächelte ihr zu und forderte sie auf, ihr in das Zimmer zu folgen, in dem sich die Geldkassette mit dem Schuldschein befand: „Der Herr bedient sich der Seelen im Himmel ebenso wie der auf Erden“, sagte sie. „Hier hast du 500 Lire; damit kannst du die Schulden deiner Gemeinschaft bezahlen.“ Mutter Maria Carmela meinte, dass es die Gottesmutter sei: „Nein, meine Tochter, ich bin nicht unsere himmlische Mutter, sondern die Dienerin Gottes, Sr. Therese von Lisieux.“ Mit diesem Titel „Dienerin Gottes“ hat sie schon auf den Prozess zur Seligsprechung hingewiesen, der im selben Jahr eingeleitet wurde. Als ihr Theresia das Geld gegeben hatte und sich anschickte zu gehen, hielt sie die Priorin zurück sagte zu ihr: „Wartet, Ihr könntet Euch verirren.“ Doch sie antwortete mit einem engelsgleichen Lächeln: „Nein, meine Tochter, mein Weg ist sicher, ich habe mich nicht verirrt!“ Damit deutete sie an, dass der Weg der Kindschaft, den sie gelehrt hat, ein sicherer Weg zur Heiligkeit ist.
Am Morgen danach wurde zum Erstaunen der gesamten Gemeinschaft in der Geldkassette ein neuer 500-Lire-Schein gefunden.

Quelle: „30Tage“/Mai 2010

Eugen Hamilton – vereint mit dem vollkommenen Opfer Jesu

Priestersein heißt, sich mit dem Lebensopfer Jesu Christi zu vereinen, sich zu opfern mit dem Opfer Christi. Was das bedeuten kann, sehen wir am außergewöhnlichen Weg von Eugene Hamilton.

Eugen Hamilton trat im Herbst 1995 in New York ins Priesterseminar ein und begann sein Theologiestudium. Wenige Wochen später musste er feststellen, dass er schwer an Krebs erkrankt war. Es begannen für ihn
16 Leidensmonate mit Chemotherapien, Bestrahlungen, Operation und Schmerzen ohne Klage, bis der Arzt ihm gestehen musste: „Nur noch wenige Monate.“

Obwohl ihm noch dreieinhalb Jahre Theologiestudium fehlten, behielt Gene stets die innere Gewissheit: „Gott will mich als Priester haben.“

So schrieb er am 1. Januar 1997, 23 Tage vor seinem Tod, einen Brief an Papst Johannes Paul II., den er Mitseminaristen nach Rom mitgab: „Heiliger Vater, bitte beten Sie für mich um das Wunder, dass ich … genesen und zum Priester geweiht werden kann, um den Gläubigen meiner Diözese zu dienen. Ich vereine meine Leiden mit Jesu Leiden am Kreuz und opfere sie für Ihre Anliegen und für Priesterberufungen auf.“

Daraufhin kam aus Rom ein Antwortschreiben und ein persönlicher Segen des Heiligen Vaters auf Genes Foto. Zudem ließ Johannes Paul II. den Todgeweihten wissen, dass er „toto Corde, aus ganzem Herzen“ den Segen für jene Dispens erteilt, die eine vorzeitige Weihe ermöglicht. Gene war überwältigt, als er am 20. Januar davon erfuhr. Seine Diakonen- und Priesterweihe wurde eben geplant, als plötzlich die Agonie einsetzte.

Es war am 24. Januar 1997, als Bischof O’Brien ins Haus der Familie Hamilton eilte und den schwer nach Luft ringenden Seminaristen, der kein Wort mehr sprechen konnte, auf seinem Sterbelager zum Diakon und gleich anschließend zum Priester weihte. Nur drei Stunden später starb Fr. Eugene, „der nie eine Hl. Messe gefeiert, nie von den Sünden losgesprochen, nie eine Homilie gehalten und nie einen Segen gegeben hatte und dennoch durch sein Leben und Sterben ein priesterliches Opfer war, vereint mit dem vollkommenen Opfer Jesu“, wie sein Vater, ein ständiger Diakon der St. Patricks-Kathedrale in New York, beim Begräbnis sagte.

Bezeichnend waren die letzten Worte des Sterbenden vor seiner Weihe: „Ich möchte nur Gottes Willen in meinem Leben tun.“

Quelle: Triumph des Herzens

Sel. Mutter Teresa – ihre Berufung zur Missionarin der Liebe

Am 26. Aug. 2010 war der 100. Geburtstag der Sel. Mutter Teresa. Sie ist für alle Christen zum Vorbild der christlichen Nächstenliebe geworden. Wie kam sie zu ihrer Berufung und zur Gründung der „Missionare der Nächstenliebe“?
Mit 18 Jahren verspürte sie bei einer Wallfahrt den Ruf Gottes:

„Es war an Maria Himmelfahrt. Ich hatte eine Kerze in der Hand, betete und sang mit einem Herzen voller Freude. Genau in diesem Moment traf ich die Entscheidung, Ordensfrau zu werden. Dieses Ereignis im Heiligtum von Letnice, zu Füßen der Heiligen Jungfrau, sollte mir immer in Erinnerung bleiben. Dort hörte ich die Stimme Gottes, die mich bat, ganz ihm zu gehören, mich ihm und dem Dienst an den Nächsten zu weihen.“

1928 trat sie in die Gemeinschaft der Loreto-Schwestern ein und wurde nach Indien gesandt. Sie unterrichtete zwanzig Jahre an der St. Mary’s High Scool in Kalkutta. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sie ein entscheidendes Erlebnis: Sie war in Kalkutta in der Nähe eines Krankenhauses unterwegs, als sie eine arme Frau auf der Straße erblickte, die im Sterben lag. Sie trug diese Frau ins Krankenhaus, wurde aber abgewiesen, weil diese Frau mittellos war. Sie musste auf offener Straße sterben.

„Was mich am Evangelium besonders berührt hat, ist die Stelle, wo Jesus sagt, dass wir das, was wir den Kleinsten, den Hungrigen, den Kranken, den Ausgeschlossenen tun, ihm selbst tun. In diesem Moment war ich sicher, meine Berufung erkannt zu haben. Als ich am 10.9.1946 zu Exerzitien nach Darjeeling fuhr, berief mich Gott, alles zu verlassen, um Christus im Dienst an den Ärmsten der Armen in die Slums zu folgen. Ich verstand, dass es genau das war, worum er mich bat.“

Bittet, dann wird euch gegeben – die Bedeutung des Bittgebetes

Betrachtung zum Evangelium des 17. Sonnages im Jahreskreis, Lesjahr C

Gute Eltern bringen ihren Kindern bei, „bitte“ und „danke“ zu sagen für alles, was sie von den Eltern bekommen. Umso mehr gebührt es uns, die wir Kinder Gottes sein dürfen, dass wir unseren Vater im Himmel um alles bitten, was wir für unser Leben brauchen, und ihm auch für alles danken. Denn wir haben nichts, was wir nicht von ihm empfangen hätten.

Jesus sagt ausdrücklich: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“ Eine große Verheißung liegt im gemeinsamen Gebet: „Alles, was zwei von euch auf Erden gemeinsam erbitten, werden sie von meinem himmlischen Vater erhalten.“

Gott gibt immer wieder wunderbare Zeichen, die unser Vertrauen in das gemeinsame Bittgebet stärken:

Eine junge Mutter, die sich wöchentlich mit anderen Frauen zu einer Runde: „Mütter beten für ihre Kinder“ trifft, hat Folgendes berichtet. Eine der Mütter der Runde hatte ihr zweites Kind geboren.
Aber bei der Geburt zeigte sich, dass es einen schweren Herzfehler hatte und nicht eigenständig zu atmen begann. Es konnte zwar durch künstliche Beatmung am Leben erhalten werden, aber für die Ärzte war es keineswegs klar, dass es überleben würde. Bei der nächsten „Mütter-Beten-Runde“ haben die jungen Mütter in diesem Anliegen den Rosenkranz gebetet. Und zu ihrer Freude durften sie erfahren: Genau in jener Stunde, in der sie gemeinsam um das Leben des Kindes gebetet hatten, hat es eigenständig zu atmen begonnen, und die schwere Krise war überstanden.“

Dieses Beispiel und viele andere können uns zu größerem Vertrauen im Beten anspornen.

Der hl. Thomas hat von einem dreifachen Sinn des Bittgebetes gesprochen.
1. Der Herr möchte, dass wir ihn vertrauensvoll bitten, damit unser Herz weit wird, seine Gaben zu empfangen.
2. Wir sollen bitten, damit wir daraus lernen, was uns wirklich zum Heil dient.
3. Durch das Bittgebet wird sich unser Herz noch mehr zu Gott hin bekehren.
Das Beten gehört zu unserem geistlichen Leben, wie das Atmen zu unserem leiblichen Leben. Dieses innere Gespräch mit Gott, dieser Austausch des Herzens in der Hinwendung zu Gott, wird ja auch einmal unsere ewige Seligkeit sein.

Die zwei Kronen des hl. Maximilian Kolbe

Vom hl. Maximilian Kolbe, dessen Gedenktag wir am 14. August feiern, wird berichtet, dass er als Kind ziemlich lebhaft war, so dass seine Mutter einmal voll Schmerz ausrief: „Mein armes Kind, was wird aus dir einmal werden?“ Diese Frage hat ihn bestürzt.

Später gestand er seiner Mutter folgendes grundlegendes Ereignis: „Ich betete oft zur heiligen Jungfrau Maria, sie möge mir sagen, was einmal aus mir werden soll. Da erschien sie mir eines Tages und bot mir liebevoll zwei Kronen dar, eine war weiß, die andere rot. Die weiße Krone bedeutete, dass ich jungfräulich bleiben, die rote, dass ich Märtyrer werden würde. Ich habe sie beide angenommen!“ Maria hat beide Verheißungen erfüllt. Er wurde Franziskaner-Minorit und 1918 zum Priester geweiht. 1941 starb er den Martyrertod im Konzentrationslager Auschwitz, als er stellvertretend für einen Familienvater in den Hungerbunker ging.

„Die Unbefleckte, unsere liebevolle Mutter, hat uns stets mit ihrer Zärtlichkeit umgeben und wird es immer tun“, schrieb er aus dem Gefängnis.

Getragen vom Gebet – Vision von Nikolaus von Kues

Kardinal Nikolaus von Kues (1401-1464), ein großer Gelehrter und Philosoph der Kirche, berichtet in seinen Schriften auch von einer Vision, die er hatte, und die er überschrieb mit den Worten: „Die Welt von innen her bewegen.“

Er sah in einer Vision eine uralte Kirche, die ganz gefüllt war mit Ordensschwestern, die in dieser Kirche beteten. Noch nie hatte er Menschen so intensiv beten gesehen wie diese Schwestern. Sie knieten aber nicht beim Gebet, sondern sie standen aufrecht und hatten ihre Hände nach oben ausgestreckt. Dann sah er das Unglaubliche. Auf ihren schwachen Händen, die sie erhoben hatten, trugen sie Männer und Frauen, Kaiser und Könige, Städte und Länder. Manchmal schlossen sich mehrere Händepaare zusammen, um eine Stadt zu tragen, wieder eine ganze Reihe von Händen trug ein ganzes Land. Nikolaus sah auf den Händen einer ganz schalen, jungen, kindhaft aussehenden Schwester den Papst. Er sah, wie sie an ihrer Last zwar schwer trugen, aber ihr Gesicht war vom Glanz der Freude überstrahlt. Der Kardinal sah das alles mit großen erschrockenen Augen.

Da sagte Livia (sie führte ihn durch diese Vision) zum ihm: “Da siehst du nun, wie die Menschen von einander getragen und gestützt werden, dass sie durchhalten und nicht zerbrechen, dass sie den Weg nicht verlieren, da sie nie aufgehört haben, den Herrn zu lieben.”

Dann führte Livia den Kardinal in die Krypta der Kirche, die von einer Luft mit eisiger Kälte erfüllt war. Da sagte Livia zum Kardinal: “So werden auch die noch gehalten, die aufgehört haben zu lieben. Zuweilen geschieht es, dass sie wieder warm werden an der Glut der Herzen, die sich verzehren. Das vergesst ihr oft, ihr Tätigen, ihr Fleißigen, die ihr die Welt bewegt, dass Gott nicht aufgehört hat, sie von innen zu bewegen. Auch dazu erwählt er Menschen, aber schweigende, hingeopferte, die gewissermaßen an das Kreuz seines Sohnes geschlagen werden.”

Gerade jene also, die oft im Verborgenen beten und opfern, sie sind es, die viele andere mittragen zu ihrem Heil, sie sind wie die Säulen, die das Mittelschiff der Kirche tragen.

Kein „Kaltblüter“ im Glauben sein

Die Frösche gehören zu den „Kaltblütern“; das heißt, sie haben keine eigene Körperwärme, sondern ihre Körpertemperatur passt sich immer an die Umgebung an. Wenn man nun einen gesunden, lebenden Frosch in einen Kochtopf tut, der mit Wasser in Zimmertemperatur gefüllt ist und diesen ohne Deckel auf der Herdplatte ganz langsam erwärmt, wird der Frosch nicht merken, dass das Wasser immer wärmer wird. Seine Körper passt sich an die Temperatur des Wassers an. Deshalb hat er keine Veranlassung, aus dem Topf zu springen, obgleich er es jederzeit tun könnte. Irgendwann kommt aber der Moment, in dem sein Körper so heiß geworden ist, dass sein Kreislauf kollapiert. Er stirbt, ohne gelitten zu haben. Zu keinem Zeitpunkt hat er die tödliche Gefahr gespürt.

So ähnlich scheint es heute vielen Menschen im Glauben zu ergehen. Sie sind auch „Kaltblüter“ geworden, Gott lässt sie kalt. Sie haben sich an so viele Dinge gewöhnt und angepasst, die eine große Gefahr für die Seele sind. Hier ein Kompromiss, dort ein wenig bequemer, alles schleichend. Kein Lauer erkennt sich selber als lau, weil die persönliche Entwicklung langsam vor sich geht – bis die Seele tot ist, d.h. das Leben der Gnade und die Beziehung zu Gott gestorben ist.

Der Heilige Geist aber macht uns zu geistlichen „Warmblütern“, die gleich die Gefahr spüren, und rechtzeitig aus dem Kochtopf unserer Zeit springen.

Emmanuel – der kleine Missionar und Heilige

Pater Kevin Scallon, der als Missionar in verschiedenen Ländern tätig war und jetzt zusammen mit Sr. Briege McKenna immer wieder Exerzitien für Priester hält, berichtet in seinem Buch „Ich werde selbst kommen“ unter anderem von seinem Einsatz in Nigeria bei einer ausgedehnten Pfarrmission.

In einem der Dörfern auf dem Land lernte er einen Buben mit Namen Emmanuel kennen. Als Pater Kevin in diesem Dorf seine Arbeit begann, besuchte ihn bald Emmanuel in seiner Wohnung. Er war etwa 11 – 12 Jahre alt. Er sagte, dass er ihm gerne bei der Mission helfen wolle. Sein Vater war Katechist in der Pfarre und er selber kenne auch den ganzen Katechismus. Emmanuel reichte dem Pater seinen abgegriffenen Katechismus und forderte ihn auf, ihm eine Frage zu stellen. Er war tatsächlich so gut, wie er sagte, er konnte den Katechismus auswendig. Emmanuel sagte zu Pater Kevin: „Es gibt viele Kinder hier, die nicht getauft sind und andere, die sich auf die Erstkommunion und Firmung vorbereiten müssen. Ich bringe ihnen den Katechismus bei und bereite sie vor. Wenn ich fertig bin, können Sie die Kinder prüfen und sehen, wie sie sich machen.“ Pater Kevin redete noch mit dem Vater von Emmanuel, der ihm bestätigte, dass Emmanuel dieser Aufgabe gewachsen sei.

Und so begann Emmanuel mit seinem Unterricht. Tag für Tag hatte er eine Schar von Kindern um sich, denen er mit erstaunlichem Eifer und Durchhaltevermögen die Glaubenslehre und auch das Beten beibrachte.
P. Kevin schreibt: „Ich betrachtete diesen heiligmäßigen, betenden Jungen voller Bewunderung und mit einer Art heiligen Neides. Er besaß offensichtlich eine tiefere, reichere und persönlichere Beziehung zu Jesus Christus als ich. Zweifellos war Emmanuel dem lebendigen Christus in den Sakramenten begegnet.“

Kurz vor dem Ende der Mission kam Emmanuel zu P. Kevin und sagte: „Herr Pfarrer, meine Schüler sind soweit. Würden Sie sie bitte prüfen?“ Die Prüfung wurde gemeinsam mit dem Katechisten und einigen Lehrern durchgeführt. Es war genau so, wie er versprochen hatte. Sie kannten alle Antworten des Katechismus und hatten ein gutes Verständnis dessen, was die Antworten bedeuteten.

Am folgenden Samstag sollten Emmanuels Schüler die Taufe empfangen und Sonntag darauf zum Abschluss der Pfarrmission die Erstkommunion.
Emmanuel war sehr ärmlich gekleidet. Er hatte keine Schuhe, und sein T-Shirt und seine Hosen hatten schon bessere Tage gesehen. Um ihm ein Geschenk zu machen, schickte P. Kevin ihn mit seiner Mutter ein paar neue Kleider für sein großes Wochenende kaufen. Er kam zurück mit einem neuen Hemd, neuen Hosen und neuen Sandalen. P. Kevin berichtet weiter:

„Am Sonntag vor der heiligen Messe suchte ich Emmanuel und sah, dass er noch immer seine alten Kleider trug. Nach der heiligen Messe fragte ich ihn, was mit seinen neuen Kleidern geschehen sei. Er sagte: ‚Herr Pfarrer, bitte seien Sie mir nicht böse, lassen Sie es mich erklären. … Erinnern Sie sich an eine Ihrer Predigten, als Sie über den heiligen Martin sprachen? Er war ein Soldat und gab die Hälfte seines Mantels einem Bettler, der im Schnee wartete, und in derselben Nacht erschien Christus dem heiligen Martin, gekleidet in seinen Mantel. – Am Sonntag, als ich in mein Dorf zurückkehrte, traf ich einen Jungen, der weinte. Ich fragte ihn: Warum weinst du? Er sagte, dass er am Sonntag zur Erstkommunion gehen sollte und keine anständigen Kleider dafür besaß.‘ Ich erwiderte: ‚Sag mir nicht, was du getan hast, Emmanuel!‘ ‚Ja, Herr Pfarrer‘, fuhr er fort. ‚Was hätte ich sonst tun sollen? Ich sagte zu dem Jungen: Nimm diese neuen Kleider. Sie sind für dich.‘ Er zeigte mit seinem Finger auf jemanden und erklärte: ‚Sehen Sie, Herr Pfarrer, dort drüben ist er!‘ Und wirklich, ein paar Meter entfernt stand er. Er trug Emmanuels neues Hemd und die Hosen und die Sandalen. Ich war so bewegt, dass ich kaum sprechen konnte.“

Einige Monate nach dieser Dorfmission erhielt P. Kevin einen Brief vom Pfarrer jenes Dorfes. Er schrieb: „Du erinnerst dich bestimmt an deinen Freund Emmanuel. Ich muss dir sagen, dass er vor ein paar Wochen krank wurde. Wir brachten ihn ins Krankenhaus, und die Schwestern diagnostizierten schnell, dass er an Tuberkulose litt.

Trotz all ihrer Bemühungen konnten sie ihn nicht retten, er starb friedlich, nachdem er die heilige Kommunion empfangen hatte. Als ich ihn zum letzten Mal besuchte, sagte er zu mir: ‚Wenn ich in den Himmel gehe, schreiben Sie Pater Kevin und bitten Sie ihn, die heiligen Messe für mich aufzuopfern!'“ Das sind die Heiligen unserer Zeit.

Quelle: Gekürzt und zusammengefasst aus dem Buch von P. Kevin Scallon, Ich werde selbst kommen, Miriam-Verlag

Heilung in Lourdes – Gabriel Gargam ging einige Schritte hinter dem Allerheiligsten her

Jesus Christus, unser Herr, hat als Zeichen seiner göttlichen Macht und Liebe viele Kranke geheilt. Wir sind oft der Meinung, dass er in unserer Zeit solche Wunder nicht mehr wirkt. Doch die Realität sieht anders aus. Denken wir nur daran, dass für jede Selig- und Heiligsprechung ein Wunder erforderlich ist, das sehr genau von der Kirche geprüft wird. Im Laufe der Geschichte hat es tausende Selig- und Heiligsprechungen gegeben. Oder denken wir auch an die großen Walfahrtsorte, z.B. an Lourdes. Nur ist uns dieses wunderbare Wirken Gottes viel zu wenig bewusst und es fehlt uns auch oft an Glauben. Jesus konnte in Nazaret, seiner Heimat, nur wenige heilen, weil sie keinen Glauben hatten. Darum betrachten wir hier eines der großen Wunder in Lourdes, das durch die Gegenwart des Herrn in der Eucharistie geschehen ist. Es war die Heilung von Gabriel Gargam im Jahre 1901.

In der Nacht des 17. Dezember 1899 ereignete sich auf der Strecke von Bordeaux nach Paris ein schreckliches Zugsunglück. Gabriel Gargam, 30 Jahre alt, ein Postangestellter, wurde 18 Meter weit aus dem Waggon geschleudert und am nächsten Morgen, sieben Stunden später, bewusstlos im Schnee gefunden.

Im Spital stellte man eine Lähmung der Füße fest und auch das Essen war für ihn fast unmöglich. Man hat ihn nach den damaligen Möglichkeiten all 24 Stunden mit Sonde ernährt, was für ihn äußerst schmerzhaft war. Acht Monate später war Gabriel völlig erschöpft und bis zum Skelett abgemagert. Er wog nur noch 36 Kilo. Schließlich begann sich auch ein schmerzhafter Brand auf seinen Füßen auszubreiten.

Zu dieser Zeit stand die Nationalwallfahrt nach Lourdes bevor. Sein Vater, der auf Grund dieser schrecklichen Prüfung seinen Glauben wiedergefunden hatte, seine christliche und tapfere Mutter, mehrere Familienmitglieder beteten inständig um seine Genesung. Sie dachten daran, ihn nach Lourdes zu schicken.
Gabriel war nicht gläubig. Seit fünfzehn Jahren hatte er keine Kirche mehr betreten. Den ersten Vorschlag zur Wallfahrt lehnte er ärgerlich ab. Er wollte nach 20 Monaten Spitalsaufenthalt lieber zu seiner Familie nach Hause und dort sterben. Jedoch auf das Drängen seiner Mutter stimmte er schließlich der Reise nach Lourdes zu, doch ohne Glauben an Gottes Hilfe.

Die Reise nach Lourdes war sehr schmerzhaft. Durch die Erschütterungen fiel er oft in Ohnmacht. Sofort nach der Ankunft brachte man ihn zur Grotte, wo er auch kommunizierte, doch mit einem vagen und zweifelhaften Glauben. Gleich danach jedoch, fühlte er eine innere Regung, die ihn verwandelte; er hatte das Bedürfnis zu beten, konnte es aber nicht und brach in Schluchzen aus. Der Glaube hatte gesiegt und zog in seine Seele ein und läuterte sie. Am Abend wurde er in den Bädern auf einer Bahre ins Wasser getaucht. Er betete. Zwei Stunden später befand er sich im selben Zustand erschöpft auf der Tragbahre und wartete auf die eucharistische Krankensegnung.

Als der Priester mit dem Allerheiligsten kam, verlor er das Bewusstsein und sein Körper wurde kalt. Man glaubte, dass er sterben würde. Aber er öffnet die Augen und es überfiel ihn eine unendliche Traurigkeit. Da ertönt der Applaus, der die eucharistische Prozession begleitet. Er fühlt auf einmal etwas wie einen Peitschenhieb in seinem Inneren, versucht sich aufzurichten, er will, dass man ihm hilft und nun steht er von der Bahre auf, barfuss, im Hemd, wie ein Leichnam, der mit seinem Leichentuch aus dem Grab steigt, steht er da und geht einige Schritte hinter dem Allerheiligsten her.

Die Menschenmenge erschauert, alle sind aufs Höchste ergriffen. Er war vollständig geheilt an Leib und Seele. Später begleitete er aus Dankbarkeit jedes Jahr die Kranken nach Lourdes.

Von der Kultur des Todes zur Kultur des Lebens

Papst Johannes Paul II. hat immer wieder davon gesprochen, dass unsere westliche Gesellschaft von einer „Kultur des Todes“ geprägt ist. Wenn wir nur die Zahl der Kindestötungen im Mutterleib betrachten, so wird uns das anschaulich bestätigt. Am 3. März 2010 wurde in Brüssel die aktuelle Studie „Abtreibung in Europa und in Spanien 2010“ des „Institute for Family Policies“ (IPF), vorgestellt. Es heißt dort:

Im Jahr 2008 wurden allein auf dem Territorium der EU 1.207.646 Abtreibungen durchgeführt. Das entspricht 3.309 Abtreibungen pro Tag oder 138 in der Stunde. Durchschnittlich endet jede fünfte Schwangerschaft mit einer Abtreibung. Auf dem gesamten Europäischen Kontinent – einschließlich Russland – verloren 2008 gar 2,9 Millionen ungeborene Kinder ihr Leben durch Abtreibungen. Dies entspreche der Gesamtbevölkerung von Estland, Zypern, Luxemburg und Malta zusammen heißt es in der Studie. Und dieses Morden geht still und leise weiter. Es ist politisch und gesellschaftlich völlig akzeptiert und es wird sogar so dargestellt als wäre es ein „Menschenrecht“. Was können wir tun, damit wir von dieser Kultur des Todes zu einer Kultur des Lebens gelangen? „Allein den Betern kann es noch gelingen … „, hat Reinhold Schneider gesagt. Darum könnte die „Gebetsvigil für das Leben“, die alle zwei Monate in der Kapuzinerkirche stattfindet und der „monatliche Anbetungstag zum Schutz der Ungeborenen Kinder“ eine Antwort sein, damit wir Gottes Erbarmen erbitten und mitwirken an einer Kultur des Lebens.