Ein Kind Mariens sein

Der hl. Don Bosco berichtete über seinen Schüler, den hl. Dominikus Savio: Als dieser 1849, im Alter von sieben Jahren die erste heilige Kommunion empfing, hat er für sich folgende Vorsätze schriftlich festgehalten:
1) Ich werde sehr oft zur Beichte gehen und jedes Mal, wenn es mein Beichtvater erlaubt, die Heilige Kommunion empfangen.
2) Ich werde die Feiertage heilig halten.
3) Jesus und Maria werden meine Freunde sein.
4) Lieber den Tod als die Sünde.

Mit 12 Jahren (1854, als das Dogma der Unbefleckten Empfängnis verkündet wurde) weiht sich Dominikus erneuert Maria und schrieb: „Maria, ich gebe dir mein Herz, mache, dass es immer dir gehört. …“

Am 9. März 1857, mit 15 Jahren, starb Dominikus an Lungentuberkulose in vollendeter Heiligkeit. Seine letzten Worte kamen aus einem Blick in den Himmel: „Wie schön ist das, was ich sehe …“

Vergesslichkeit – der Heilige Geist wir euch an alles erinnern

Vergesslichkeit ist eine menschliche Schwäche, die ihre Vor- und Nachteile hat. Es ist gut, dass wir im Sinne des hl. Paulus vieles Negative vergessen, das hinter uns liegt und uns nach dem ausstrecken, was vor uns liegt. Aber es kann peinlich und ärgerlich sein, wenn wir wichtige Dinge oder Termine vergessen. Das ist auch für Priester nicht immer ganz einfach. Hier braucht es oft gegenseitige Nachsicht und Hilfe, damit man diese Schwäche überwinden kann.

Ein pensionierter Pfarrer erzählte einmal: Nach der Messe kam eine Frau in die Sakristei und sagte, er hätte den Schlusssegen vergessen. Die Leute wären noch da und würden darauf warten, dass er ihn nachhole. Er ging sofort in die Kirche zurück und gab den Schlusssegen. Es war ihm sehr peinlich.

Auf der anderen Seite fand er es rührend, dass sie nicht ungesegnet gehen wollten. Tröstlich war es für ihn allerdings, als er anschließend erfuhr, dass die Leute in zwei Lager gespalten waren. Die einen hatten behauptet, er hätte den Segen doch gespendet, die anderen, er hätte ihn vergessen.

So sitzen wir mit unseren alltäglichen Vergesslichkeiten alle im selben Boot. Aber das ist nicht das Schlimmste, wenn wir nur Gott und seine Gebote nicht vergessen. Denn hier geht es um unser ewiges Heil. Aber all jenen, die an Jesus Christus glauben, hat er den Heiligen Geist verheißen. Er wird uns an alles erinnern, was Jesus uns gesagt und gelehrt hat. Das ist unser großer Trost.

Wie Papst Benedikt XVI. seine Berufung zum Priestertum erkannte

Als der Heilige Vater zu Ostern 2006 mit der Jugend der Diözese Rom auf dem Petersplatz zusammentraf, beantwortete er unter anderem auch die Frage des 20-jährigen Vittorio. Dieser Student wollte wissen, wie der Papst seine Berufung zum Priestertum entdeckt hatte. Der Heilige Vater sagte:

Was mich betrifft, so bin ich in einer Welt aufgewachsen, die sehr verschieden ist von der heutigen; am Ende sind aber die Umstände ähnlich: Einerseits gab es damals noch eine „Christenheit“, in der es völlig „normal“ war, in die Kirche zu gehen und den Glauben als Offenbarung zu akzeptieren und zu versuchen, dieser Offenbarung entsprechend zu leben; auf der anderen Seite war da das Naziregime, das mit lauter Stimme behauptete: „Im neuen Deutschland wird es keine Priester, kein Ordensleben mehr geben. Wir brauchen diese Leute nicht mehr. Sucht euch einen anderen Beruf!“

Aber gerade im Hören dieser „lauten“ Stimmen, in der Auseinandersetzung mit der Brutalität jenes Systems, das unmenschliche Züge trug, habe ich verstanden, dass man sehr der Priester bedurfte. Dieser Kontrast, der Blick auf diese unmenschliche Kultur, hat mich in der Überzeugung bestätigt, dass uns der Herr, das Evangelium, der Glaube den rechten Weg zeigen und dass wir uns darum bemühen mussten, dass dieser Weg überlebe. In dieser Situation ist die Berufung zum Priestertum fast als etwas Natürliches zusammen mit mir und ohne große Bekehrungsereignisse gewachsen. Darüber hinaus haben mir zwei Dinge auf diesem Weg geholfen.

Schon als Bub entdeckte ich mit Hilfe meiner Eltern und des Pfarrers die Schönheit der Liturgie, die ich immer mehr liebte, weil ich spürte, dass uns in ihr die göttliche Schönheit aufscheint und dass sich durch sie vor uns der Himmel auftut. Das zweite Element war die Entdeckung der Schönheit des Erkennens, der Erkenntnis Gottes, der Heiligen Schrift, dank derer man in dieses große Abenteuer des Dialogs mit Gott eintreten kann, der die Theologie ist. Und so war es eine Freude, in diese Arbeit der Jahrtausende der Theologie eintreten zu dürfen, in diese Feier der Liturgie, in der Gott mit uns ist und zusammen mit uns feiert.

Natürlich fehlte es nicht an Schwierigkeiten. Ich fragte mich, ob ich wirklich die Fähigkeit besitzen würde, ein ganzes Leben lang den Zölibat zu leben. Da ich ein Mann von theoretischer, nicht von praktischer Bildung war, wusste ich auch, dass es nicht genügen würde, die Theologie zu lieben, um ein guter Priester zu sein, sondern dass es notwendig wäre, für die jungen Menschen, die Alten, die Kranken und die Armen immer zur Verfügung zu stehen; die Notwendigkeit, mit den Einfachen einfach zu sein.

Die Theologie ist schön, aber auch die Einfachheit des Wortes und des christlichen Lebens ist notwendig. Und so fragte ich mich: Werde ich in der Lage sein, all das zu leben und nicht einseitig zu sein, nur Theologe usw.? Der Herr und vor allem die Begleitung von Freunden, von guten Priestern und Meistern, haben mir geholfen.

Der heilige Josef – großer Helfer in der Not

Der schon verstorbene Pfarrer B. Reuter aus Deutschland, der die Notzeit nach dem ersten Weltkrieg erlebt hatte, erzählte immer mit großer Ergriffenheit, wie ihm der hl. Josef einmal geholfen hatte. Das könnte auch für uns ein Ansporn sein, im Monat März, der dem hl. Josef geweiht ist, ihn um seine Fürsprache zu bitten, da vielleicht ähnliche Notzeiten wieder auf uns zukommen könnten.

Er war damals im Priesterseminar. Seine Eltern konnten ihn kaum finanziell unterstützen, da sie selber nicht viel besaßen. Damit er sich die fürs Studium nötigen Bücher und Unterlagen kaufen konnte, machte er einmal sogar Schulden. Er unterschrieb einen Wechsel von 260.-DM, damals für einen Studenten viel Geld, und dachte, dass er das Geld schon irgendwie bekommen werde. Der Tag der Einlösung des Wechsels kam immer näher, aber er hatte das Geld noch immer nicht beisammen. So begann er eine Novene zum hl. Josef. Er bat ihn inständig um seine Hilfe, aber es kam kein Lichtblick.

Schon war der Tag der Einlösung angebrochen. In der Früh bei der hl. Messe betete er noch einmal zum hl. Josef. Er war schon fast verzweifelt und in Versuchung dem hl. Josef zu grollen. Mit dieser niedergeschlagenen Stimmung kam er aus der hl. Messe. Da ging der Regens des Seminars auf ihn zu und teilte ihm mit, dass für ihn Geld abgegeben worden sei. Ein alter Mann mit einem Bart habe es ihm übergeben. Er wollte gerne wissen, wer das war, aber der Regens wusste es nicht und auch an der Pforte, an der er hätte vorbeikommen müssen, hatte niemand diesen Mann mit Bart gesehen. Da wurde ihm klar, das kann nur der hl. Josef selber gewesen sein. Es war genau die Summe, die für den Wechsel fällig war.

Später erzählte er dem Regens diese Begebenheit. Da leuchtete das Gesicht des Regens auf und er sagte: „Dann habe ich ja dem hl. Josef die Hand gegeben.“

Nick Vujicic – Gottes Hände und Füße

Jeder andere in seiner Situation hätte schon längst aufgegeben. Er nicht. Nick Vujicic reist um die ganze Welt und motiviert andere, Mut im Leben zu fassen.

Nick Vujicic wurde am 4. 12. 1982 in Melbourne/Australien als Sohn eines Pastors geboren. Die Schwangerschaft war unkompliziert. So war es zuerst einmal für die Eltern ein schwerer Schock, als sie sehen mussten, dass ihrem Kind völlig die Arme und Beine fehlten! Nur am Oberschenkelansatz hat er einen kleinen Fuß mit zwei Zehen. Es dauerte einige Zeit, bis seine Eltern ihn annehmen konnten. Vier Monate konnte die Mutter ihr Kind nicht in den Arm nehmen. Doch dann waren es seine Eltern, die ihn begleitet und stets motiviert haben.

Das Leben in seiner Schulzeit war schwer. Er lernte mit seinem kleinen Fuß zu schreiben, langsam selbständig zu sein. Und dennoch wollte er sich das Leben nehmen. Was sollten seine Aussichten für sein Leben sein? Wozu könnte er schon fähig sein? Nur eine Belastung für die anderen. Dann findet er zum Glauben. Sein Leben nimmt eine radikale Wendung, als er mit 15 Gott bittet, in sein Leben zu kommen. Bis jetzt hat er immer geglaubt, Gott hat ihn sicherlich vergessen. Aber auf einmal verstand er, dass Gott ihn nicht vergessen hatte, sondern dass er im Gegenteil einen ganz besonderen Plan mit ihm hatte. „Viele von uns glauben, dass Gott zuerst unsere Umstände ändern muss, bevor wir ihm wirklich vertrauen wollen“, sagt Nick in einem Interview. „Aber das Großartige an Gott ist, dass er dein Herz noch vor den Umständen ändern kann. Und wenn er nicht das Wunder an mir tut, so macht er, dass ich selbst das Wunder für jemand anderen werde.“ Und mit leuchtenden Augen fährt er fort: „Mein Leben ist vielleicht ein einfaches Beispiel, wie Gott einen Menschen ohne Arme und Beine dazu brauchen kann, seine Hände und Füße zu sein.“

„Es bringt uns nichts, äußerlich perfekt zu sein, wenn wir innerlich zerbrochen sind!“ ist nur eines seiner Lebensmottos, die er in seinen Vorträgen weitergibt. Nick sagt: „Ich habe mich entschieden, dankbar zu sein für das, was ich tun kann und nicht wütend zu sein über das, was ich nicht tun kann!“
Und das ist Nick tatsächlich. Er reist durch die ganze Welt als Motivationstrainer und Redner und berührt die Menschen überall, wo er hinkommt. Sei es in Schulen, vor Wirtschaftsleuten oder im Gefängnis bei den Schwerstverbrechern.

ZEUGNIS: Jenna hat vier Selbstmordversuche hinter sich. Ihre Kindheit war geprägt von Gewalt und Verachtung. Sie bedankt sich bei Nick: „Ich erinnere mich noch genau an den Morgen, als du in meine Gemeinde kamst, um dort einen Vortrag zu halten. Ich hatte damals einen Schutzwall um mein Herz errichtet, doch durch deine Worte brauchte es nicht lange, bis mein innerer Widerstand gebrochen war und Tränen meine Wangen hinunterliefen. In diesem Moment wusste ich, dass ich es konnte, dass ich leben konnte, dass ich einen Grund dazu hatte: Ich bin einzigartig. Obwohl dieser Tag für mich einer von vielen war, an denen ich nicht aufgab, war er doch ganz besonders, denn es war der erste seit langer Zeit, an dem ich auch nicht aufgeben wollte. An diesem Tag hast du mich berührt, zwar nicht mit deiner Hand, aber mit deinem Herzen und hast mir eines der größten Geschenke gegeben, das ich jemals bekommen habe: nämlich HOFFNUNG! Danke Nick!“

Südsudan – ein Blinder wird zum Missionar

Als Jesus nach seiner Auferstehung den Aposteln erschien gab er ihnen den Auftrag zur Mission: „Geht hinaus in die ganze Welt, und verkündet das Evangelium allen Geschöpfen!“ Mk 16,15. Dieser Auftrag gilt nicht nur für besonders berufene Missionare, sondern für jeden Christen. Ein „Weißer Vater“, der zur Kongregation der Afrikamissionare gehört, erzählte folgende wunderbare Begebenheit, die uns im missionarischen Geist stärken kann:

Im Südsudan wurden die Christen in den letzten Jahrzehnten, seit die Moslems die Mehrheit haben, auf das Blutigste verfolgt. Alle Missionare wurden des Landes verwiesen. Einige starben für den Glauben. 15 Jahre lang durfte kein einziger Missionar wieder einreisen und die Missionierung weiter betreiben.

In einem Dorf war ein Mann, der erblindet war. Er ist Christ geworden. Diesem Mann war es zu verdanken, dass in seinem Dorf und in den umliegenden Dörfern während der Zeit der Abwesenheit der Missionare der katholische Glaube erhalten blieb, denn er stolperte von einem Haus zum anderen, von einem Dorf zum andern und erzählte den Menschen von Jesus Christus und von allem, was er in der Katechese von den Missionaren gehört und gelernt hatte. 15 Jahre lang!!

Regelmäßige Beichte – Flecken auf dem Tischtuch

Die Kirche gibt uns die Weisung, dass wir wenigstens einmal im Jahr, besonders vor Ostern, zur Beichte gehen sollten. Aber wer aufrichtig danach strebt, ein christliches Leben, d.h. ein Leben in persönlicher Freundschaft mit Jesus zu führen, der wird bald bemerken, dass er immer wieder der Erneuerung und Reinigung des Herzens bedarf, damit er nicht oberflächlich und gleichgültig wird.
Eine junge, gläubige Mutter hat einmal Zeugnis darüber gegeben, wie sie den Sinn der regelmäßigen Beichte erkannt hat. Sie erzählt:

„Eines Morgens beim Frühstück, wie ich gerade ein paar Flecken auf dem Tischtuch anstarre und mir überlege, ob ich es nicht schon bald in die Waschmaschine stecken sollte, hatte ich plötzlich ‚meine‘ Antwort: Immer wenn ich ein frisches Tischtuch auflege, passen wir besonders auf, nicht den kleinsten Fleck zu verursachen. Aber schon nach ein paar Tagen, nachdem sich unweigerlich erste Knitterfalten und die unvermeidlichen Flecken zeigen, ist die ganze Vorsicht dahin. Die Decke muss ohnehin gewaschen werden und im Nu gesellen sich dank großzügigerer Handhabung weitere Flecken dazu…
So wurde mir klar, dass es sich mit unserem Sündenregister ähnlich verhält. Anfangs passen wir auf unsere unmittelbar nach der Beichte noch reine Seele auf. Dann kommen trotz Achtgebens die ersten leichten Sünden, unsere Seele bekommt sozusagen die ersten Knitterfalten und Flecken. Und nach einiger Zeit schleicht sich der Gedanke ein, ‚jetzt ist es eh schon wurscht‘. Allmählich hält die Lauheit fröhlich Einzug.“

Der hl. Paulus sagt: „Die Liebe Christi drängt uns“ 2 Kor 5, 14. Sie drängt uns, zu erkennen, was der Herr durch sein Kreuz für uns getan hat, und sie drängt uns, in der Nachfolge Christi nicht gleichgültig zu sein wegen der Sünden.

Der wahre Grund der Hoffnung der Menschheit

Zu Beginn des neuen Jahres sagt uns der Heilige Vater:

„Liebe Freunde, das ist der wahre Grund der Hoffnung der Menschheit: Die Geschichte hat einen Sinn, da in ihr die Weisheit Gottes »wohnt«. Und dennoch erfüllt sich der göttliche Plan nicht von allein, da er ein Entwurf der Liebe ist, und die Liebe erzeugt Freiheit und fordert Freiheit.

Das Reich Gottes kommt gewiss, ja es ist bereits in der Geschichte gegenwärtig, und dank des Kommens Christi hat es schon die negative Kraft des Bösen besiegt. Doch es steht in der Verantwortung eines jeden Mannes und einer jeden Frau, es Tag für Tag im eigenen Leben anzunehmen.

Daher wird auch das Jahr 2010 in dem Maß mehr oder minder »gut« sein, in dem es ein jeder entsprechend seiner Verantwortung verstehen wird, mit der Gnade Gottes zusammenzuarbeiten.“

Gebetswoche für die Einheit der Christen – Einheit durch Versöhnung

Die Gebetswoche für die Einheit der Christen macht uns bewusst, dass es im Laufe der Geschichte viele Abspaltungen von der einen, von Jesus gegründeten Kirche gegeben hat. Aber auch die zwischenmenschlichen Beziehungen, die Familien, sind heute oft von Trennung, Streit und Unfrieden gezeichnet. Allein aus menschlicher Kraft kann die Einheit kaum wieder hergestellt werden. Aber die Gnade Gottes ist es, die die Menschen zur Umkehr der Herzen, zum Umdenken, zu einem Miteinander, zur Versöhnung und zur Einheit bewegt. Unser Heiliger Vater hat in seiner Weihnachtsansprache an die Kardinäle einige wichtige Prinzipien zum Thema Versöhnung dargelegt, die auch für unser konkretes Leben bedeutsam sind:

„Zur Versöhnung gehört … die Fähigkeit, Schuld zu erkennen und um Vergebung zu bitten – Gott und den anderen Menschen. Zum Vorgang der Versöhnung gehört schließlich die Bereitschaft zur Buße, die Bereitschaft, Schuld auszuleiden und sich selbst ändern zu lassen.

Und es gehört dazu … die Bereitschaft, über das Notwendige hinauszugehen, nicht aufzurechnen, sondern weiterzugehen als die bloßen Rechtsverhältnisse es verlangen. Es gehört dazu jene Großzügigkeit, die Gott selbst uns vorgemacht hat.

Denken wir an das Wort Jesu: Wenn du deine Gabe zum Altar bringst und du erinnerst dich, dass dein Bruder etwas gegen dich hat, lass die Gabe liegen, brich auf, versöhne dich zuerst mit deinem Bruder, und dann komm und bring deine Gabe (Mt 5, 23f). Gott, der uns unversöhnt wusste, der sah, dass wir etwas gegen ihn haben, ist aufgestanden und uns entgegengegangen, obwohl er allein im Recht war. Er ist uns entgegengegangen bis zum Kreuz hin, um uns zu versöhnen.

Das ist … die Bereitschaft, zuerst aufzubrechen. Zuerst dem anderen entgegenzugehen, ihm die Versöhnung anzubieten, den Schmerz auf sich zu nehmen, der im Verzicht auf das eigene Rechthaben liegt. Nicht nachzulassen im Willen des Versöhnens: Das hat Gott uns vorgemacht, und dies ist die Weise, gottähnlich zu werden, die wir in der Welt immer von neuem brauchen.

Wir müssen heute die Fähigkeit neu erlernen, Schuld anzuerkennen, den Unschuldswahn abzuschütteln. Wir müssen die Fähigkeit erlernen, Buße zu tun, uns ändern zu lassen; dem anderen entgegenzugehen und von Gott her uns den Mut und die Kraft zu solcher Erneuerung schenken zu lassen.

In dieser unserer Welt von heute müssen wir das Sakrament der Buße und der Versöhnung neu entdecken. Dass es aus den Lebensvollzügen der Christen weitgehend verschwunden ist, ist ein Symptom für einen Verlust an Wahrhaftigkeit uns selbst und Gott gegenüber; ein Verlust, der unsere Menschlichkeit gefährdet und der unsere Friedensfähigkeit vermindert.

Der heilige Bonaventura war der Meinung, dass das Sakrament der Buße ein Menschheitssakrament ist, das Gott in seinem wesentlichen Grund schon unmittelbar nach dem Sündenfall mit der Buße für Adam eingesetzt habe, auch wenn es seine ganze Gestalt erst in Christus erhalten konnte, der selbst die versöhnende Kraft Gottes ist und unsere Buße auf sich genommen hat. In der Tat, die Einheit von Schuld, Buße und Vergebung ist eine der Grundbedingungen der Menschlichkeit, die im Sakrament ihre volle Gestalt erhalten, aber von den Wurzeln her zum Menschsein als solchem gehören.“

Sie sind ein guter Mensch! – Über die Macht des guten und bösen Wortes

Pfarrer Urs Keusch aus der Schweiz berichtete einmal von einem Gespräch mit einem alten, einsamen Mann. dem er jeden Monat am Herz-Jesu-Freitag die hl. Kommunion brachte. Ihm war das Bild einer Frau aufgefallen, das auf einem Kasten stand und manchmal mit ein Blümlein geschmückt war.

Einmal fragte der Pfarrer ihn: “Ist das Ihre Mutter?“ – “Nein“, sagte er, “von meiner Mutter habe ich kein Bild.“ Nach einer Weile erzählte er: “Das ist das Bild einer Frau, der ich während ein paar Jahren jeden Herbst das Holz gemacht habe, gesägt, gespalten und in den Schopf getragen. Das letzte Mal, bevor sie starb – ich sehe sie noch heute vor mir, als wär‘ es gestern gewesen – gab sie mir zum Abschied ein Stück Kuchen, schaute mir in die Augen und sagte zu mir: ,Sie sind ein guter Mensch!‘

Ich lief zu meinem Fahrrad, ich war wie benommen. ,Sie sind ein guter Mensch!‘, das hat sie mir gesagt, ,Sie sind ein guter Mensch!‘ Mein ganzes Leben lang bin ich mit meinem Fahrrad nie mehr so leicht den Berg hinaufgefahren wie damals. Es war mir, als bliese aller Wind der Welt in meinen Rücken. Immer hörte ich diese Worte: ,Sie sind ein guter Mensch!‘

Wissen Sie, so etwas hat mir sonst den ganzen Lebtag niemand gesagt, im Gegenteil. Immer hieß es zu Hause, als ich noch ein Kind war, aber auch später: ,Aus Dir wird nie etwas!‘ Und so war es dann auch, obwohl ich meinen Eltern das Gegenteil beweisen wollte. Es ist mir alles daneben gegangen, ich hatte nie Glück. Alles endete irgendwie in einer Katastrophe. Heute bin ich, wie Sie sehen, ein gebrochener Mann, ich lebe einsam und manchmal auch gottverlassen. Manchmal frage ich mich, wozu noch leben? Wenn mir manchmal die Erinnerungen an mein kaputtes Leben hochkommen, dann schaue ich mir das Bild dieser Frau an. Dann ist mir manchmal, als sage sie auch heute zu mir: ,Sie sind ein guter Mensch!‘ Dann spüre ich in mir wieder so eine Freude, und dann mag ich wieder leben.

Sie glauben es vielleicht nicht, aber es ist so: Diese Frau hat mich am Leben gehalten bis heute. Ich hätte mich schon mehr als einmal am liebsten umgebracht. Aber dieses Wort dieser Frau lässt es mich nicht tun. Und manchmal denke ich mir: Vielleicht bin ich doch nicht so schlecht. Vielleicht hat auch der Himmel ein wenig Erbarmen mit mir.“

Im Anfang vieler tragischer Lebensgeschichten steht oft ein böses, ein herzloses, ein unbeherrschtes, ein niederreißendes Wort: “Aus Dir wird nie etwas! Du taugst zu nichts!“ Und dieses Wort wird Fleisch. Es drängt zu seiner Verwirklichung. Als aber Christus getauft wurde, sprach sein Vater voll Liebe über Sein Kind: “Das ist mein vielgeliebter Sohn“ (Mt 3,17). Das ist das erlösende Wort der Liebe, das wir für unsere Kinder im Herzen haben sollten – aber auch für jeden Menschen.